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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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mit ihrem neuen Konstantin zu thatsächlichem Bewußtseyn ihrer Weltbestimmung gekommen sind. Denke man sich das unermeßliche Chaos von Kräften, die unter jenem Himmelsstrich noch gebunden, aber eines Willens, eines Impulses gewärtig sind, um einen einzigen Gedanken lebendig in die Weltgeschichte einzuweben. Im weiten Halbringe schlingt es sich um Europa und bereitet den letzten Schöpfungsakt im politischen Bau der abendlichen Welt.
Die Restauration von Byzanz – das ist Axiom – kann nur eine „slavo-gräkische“, keine byzantinische, am wenigsten aber eine hellenische seyn.
Und diese Restauration im größten Style ist eingeleitet; der neueste pariser Friedenspakt drückt ihr das Siegel auf. Der Augenblick zur That ist durch diesen Pakt um Vieles näher getreten. Die Zeit ist gut gewählt. Der allgemeine Gantprozeß gegen alles weltliche Regiment des Abendlandes ist im Gange; die Exekution wird nicht lange auf sich warten lassen. Nicht böser Wille, nicht Schlechtigkeit und korrupter Sinn – man ist vielleicht heute nicht schlechter als man früher war! – nein, Unfähigkeit ist es und Unzulänglichkeit der waltenden Kräfte, was zur Auflösung der weltlichen Ordnung treibt. „Ihr könnet die Geschäfte nicht mehr fortführen“, ist der einstimmige Gedanke der Völker. Nach innerem Trost, nach Seelenfrieden ringen die Geister. Wer füllt die verzweiflungsvolle Leere der menschlichen Brust aus? Dürre Theorien und abgenützte langweilige Rezepte der Staats-Adepten können diesen Trost nicht mehr gewähren, können den Abgrund der Gemüther nicht verschütten. Eure Zeit ist für immer dahin. Nicht Anarchie und Zuchtlosigkeit ist das größte der Uebel, über das man klagen soll, das größte ist der Tod alles Glaubens und Vertrauens auf eure alte Kunst, was unser Unglück macht und zugleich den Kompetenten – es sind ihrer mehrere – ihre Rechtstitel gibt.
Einheit der Gewalt, Freiheitsliebe und religiöser Glaube sind die stärksten Baumeister aller menschlichen Ordnung. Der Versuch, ohne Beistand der freiheitlichen und religiösen Ideen Herrschaft auszuüben und ein bloß gewaltthätiges Regiment über die Völker aufzustellen ohne alle Schonung für Seelen- und Gewissensruhe, ohne Rücksicht für das Höhere und Ewige im Menschen, im Gegensatz zu seinem Streben nach Freiheit, bloß um die Taschen und den Kunstfleiß der Nationen mechanisch auszubeuten, hat überall ein noch klägliches Ende gefunden. Der Mensch trägt in der innersten Tiefe der Brust Etwas, was sich der Gewaltherrschaft widersetzt und was mit Feuerschlünden und Sophismen nicht zu bändigen ist. Mit Finanzkünsten, Banken und Mauthsystemen allein kann man den Dämon nicht mehr zwingen: die Fürsten müssen den inneren Widerspruch der europäischen Geister versöhnen oder das eigene Spiel verloren geben. Orbis ruit. –
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 139. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/147&oldid=- (Version vom 15.11.2025)