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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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wäre, Gift und Pestilenz aus dem materialistischen Schlamm zu saugen. Dieses Geschlecht, welches, der Natur entfremdet und vom gesunden klaren Gottesglauben abgelöst, schon lange in künstlichen Abstraktionen lebt und nach den Schattenbildern leerer Theorien und philosophischer Gaukler und Taschenspieler rennt; dieses Geschlecht, das, in seinen Irrthümern befangen, beständig über das Wirkliche und Vernünftige hinübergreift, folgt dem Schellengeläute williger, welches nach dem frivolen Treiben der Sinnenwelt lockt, als der Stimme der Weisen, Guten und Großen, die in den Tempel des Herrn ruft. Das Unheil, welches die materialistischen Lehren angerichtet haben, gibt sich im Zustande unseres häuslichen und öffentlichen Lebens, leider! deutlich genug zu erkennen.
Oder ist etwa das Bild, das mir vor Augen schwebt, ein Traum? Ist die fratzenhafte Lüderlichkeit und Gottlosigkeit, die Einem anekelt bei jedem Blick, den man forschend in die Gesellschaft wirft, keine Thatsache? Wer möchte das behaupten! Betrachtet es nur, das weltkluge Phrasenvolk, das in wechselseitigem Lug und Betrug, bis in die geringsten Lebensgeschäfte herab, seine Ehre sucht; das beständig zwischen frecher Licenz und knechtischer Niedertracht schwankt, das bald wohlgefällig auf die Narben seiner Ketten zeigt und das Glück des Despotismus in den siebenten Himmel hebt, bald mit der Kokarde der Freiheit und Gleichheit sich schmückt und großer Entdeckungen in Sachen der Selbstregierung sich rühmt, oder sich Kammern baut, wo Freiheit und Rechtsungleichheit einträchtiglich neben einander wohnen sollen, wie die Taube und der Geier. Wo ist ein vernünftiges, ehrenhaftes, folgerechtes, festes Anstreben nach einem klarbewußten Ziele sichtbar? Nirgends. Aber überall guckt ein fieberhaftes Zappeln, bald nach einer, bald nach der andern Richtung heraus, ein wechselseitiges Fürchten und Fürchtenmachen, eine gährende Bewegung ohne Resultat, ehrloses Verhüllen, Vertuschen, Belügen, Bemänteln und Betrügen gegen einander, ein Grollen und Hadern ohne Kraft und ohne Würde, während der große Haufe mit besessener Gier nach dem Thaler läuft, und vor dem Gotte der Unterwelt, als dem einzigen Gotte, an den er noch Glauben hat, sich anbetend in den Staub wirft. Und damit dem Bilde die rechte Folie nicht gebreche – schaut die schwarzen Schaaren an, die zu unseren Domen wandeln, welche unsere Vorfahren dem Schöpfer und Herrn aller Welten himmelan gebaut – und vergleicht sie mit jenen selbstständigen Naturen, die einst, ächter Frömmigkeit voll, ihren Willen an die Idee gesetzt. Was ist aus unserem Christenthum geworden? Die Neufrömmigkeit verleugnet die Vernunft, die Heuchelei weiß nichts von Opferfreudigkeit und dem äußeren Glaubensschein ist jener Geist ein Fremdling, welcher die Kraft hatte, Berge zu versetzen. Scholastische Spitzfindigkeit predigt ihren Quark statt das Evangelium, Sektenhaß und Verfolgung Andersgläubiger füllen Kanzeln und Lehrstühle, und der hohe Sinn milder christlicher Duldung ist verdrängt allüberall von einem Zelotismus, würdig einer Zeit, wo die Scheiterhaufen der Inquisition und der Hexenrichter zum Lobe Gottes und der Gerechtigkeit brannten. – Daß Religion und Vernunft als Schwestern in einem Hause wohnen können, diese Möglichkeit wird Gotteslästerung geheißen; aber die Glaubenssatzungen früherer Jahrhunderte,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/15&oldid=- (Version vom 29.10.2025)