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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Wir schlagen zwei Blätter auf aus dem Prachtbuch unserer Schöpfung; zwei Bilder aus Südamerika’s Wunderwelt, wo die Natur noch im Krönungsschmuck unter funkelnden Juwelen schimmert, aus dem Land der strömenden Meere und der rauschenden Palmenwälder, aus der buntfarbigen Ebene, welche die Dome der Kordilleren trägt und auf der die Menschen wie verirrte Gäste umher wandeln, von aller Herren Land, allerlei Farbe und allerhand Zungen, anstaunend, anbetend, genießend und müßiggehend – und wo der Gesittung, der Freiheit und des Menschenglücks Tempel stehen könnte, wären jene Menschen ein Volk.
Brasilien ist aber, obgleich an Größe das dritte Reich der Erde, nur an Gestalt ein Riese, an Kraft bloß ein Kind. Kein Land, wie vielerlei Nationalitäten in ihm auch zusammengeworfen waren, hat so spröde, so viele sich abstoßende Elemente vereinigt, wie Brasilien. Die siebenthalb Millionen, welche es bewohnen, bewahren nicht nur nach ihrer Raçenabkunft, als Portugiesen, Creolen, Mulatten, Mestizen, Neger und Indianer, und nach ihrer nationalen Abstammung, als Briten, Franzosen, Schweizer und Deutsche, unvereinbare Eigenthümlichkeiten, sondern sie spalten diese Splitter noch einmal durch die klaffenden Unterschiede der Bildung, der Religion, des Standes und Vermögens, und das Zerwürfniß in den politischen Faktionen und die unversöhnlichen Principien der Sklaverei und Freiheit vollenden das Chaos dieser in wilder Unordnung durcheinander gestreuten Bevölkerungs-Fragmente. Brasilien ist das einzige Land auf der westlichen Halbkugel, das einen Monarchen und Kaiserthron trägt. Doch steht dieser auf schwachen Säulen und gar schwankendem Grund! Es fehlt ihm die Hauptstütze aller Monarchien, die Tradition, welche Fürsten und Völker viele Menschenalter hindurch eng zusammen knüpft und ihnen eine Erinnerung der großen Momente des Glücks oder Unglücks als gemeinsames Erbe verleiht. Brasiliens Kaisergeschichte zählt kaum 30 Jahre und keilte einzige große gemeinschaftliche That ehrt und einigt Nation und Dynastie.
Brasiliens Selbstständigkeit ist desselben Ursprungs, der so viele deutsche Königreiche in’s Leben rief. Ein Dekret Napoleons des Großen, welches verkündete, daß die Herrschaft des Hauses Braganza in Europa aufgehört habe,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 147. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/155&oldid=- (Version vom 15.11.2025)