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trieb das letztere von Portugal nach Brasilien, damals noch eine Kolonie. König Johann VI. hielt mühsam den großen Landkomplex gegen die republikanischen Unabhängigkeits-Bestrebungen zusammen, und als er, nach der Restauration, wieder in Portugal einzog (1821), hinterließ er seinem Sohn Don Pedro die Mahnung: „Du weißt, das Streben nach Unabhängigkeit ist nicht mehr zu bewältigen; stell’ Dich an die Spitze der Bewegung, thue, was die Umstände gebieten“. Don Pedro war nicht der Mann, die Bewegung zu zügeln; er ließ sich von ihr erfassen und beherrschen. Ein Volksaufstand setzte ihn als Don Pedro I., konstitutionellen Kaiser und immerwährenden Vertheidiger Brasiliens, auf den Thron und erklärte das Reich als unabhängig vom Mutterlande. Kurz nach dieser Improvisation des Kaiserthums begannen die Republikaner den Kampf dagegen und Föderalisten, Unitarier und Farbige, alle Parteielemente, die durch die Auflösung einer kräftigen Regierung und Zersetzung des gemeinsamen Koloniegeistes entfesselt wurden, halfen Feuer auf den Herd der Unzufriedenheit und Empörung schüren. Ein Aufstand in Rio Janeiro am 6. April 1830 machte der Schein-Majestät ohne Widerstand ein Ende und Don Pedro’s letzte That war seine Abdankung zu Gunsten seines Sohnes, der, ein siebenjähriges Knäblein, als Pedro II., den kaiserlichen Thron bestieg.

Um den kindischen Kronenträger gruppirten sich die Faktionen, die sich zerfleischten. Die Republikaner verlangten eine Verfassung nach dem Muster der Vereinigten Staaten, die Monarchisten erklärten das Volk für unreif zur Selbstregierung, die Unionisten erstrebten eine centralisirte Monarchie im europäischen Sinn, die Föderalisten einen Verband der Provinzen als unabhängige Staaten unter einer gemeinsamen Spitze; dabei ermangelte die nach Raçen und gesellschaftlicher Stellung so weit getrennte und über das ganze Reich dünn zerstreute Bevölkerung aller selbstständigen Einsicht, sie überließ sich der Leitung einzelner Ehrgeizigen. Bürgerkrieg und Mordscenen überzogen ein ganzes Jahrzehnt hindurch das Reich mit Schrecken. Dem armen Lande gebrach es an den Tugenden der Entsagung und dem Patriotismus jener großen Angelsachsen, welche im Norden Amerika’s das Beispiel eines großen Staatenbundes gaben; nicht einen einzigen reinen Charakter, wie Washington oder Franklin, hat die ganze romanische Welt Amerika’s aufzuweisen. Trotz alledem hat Brasilien während der Regierung Pedro’s II. größere Fortschritte nach Außen gemacht, als andere Staaten des südlichen Amerika und hat namentlich durch seine mehrmalige Intervention in dem blutigen Streit der Nachbar-Republik Montevideo mit der argentinischen Konföderation und zum Sturz des Diktators Rosas eine Art Hegemonie erlangt, die auch auf die nördlichen Länder, wie Venezuela, Neugranada und selbst Mittelamerika auszudehnen ihm jetzt gelüstet. Sein Ehrgeiz verfolgt eine gefährliche Richtung, die es in Konflikte mit mächtigeren Staaten, namentlich Nordamerika, bringen und seine Kräfte, welche der inneren Entwickelung so nothwendig wären, erschöpfen muß. Taub für seine wichtigsten Interessen verschließt es noch immer aus engherziger Eifersucht den fremden seefahrenden Nationen seine inneren Wasserstraßen und sein unermeßliches