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Binnenland. Brasilien hält noch, wie Japan und China, starrsinnig an der Ansicht fest, das Recht zur Befahrung seiner Flüsse nur den Uferstaaten zuzugestehen. England und Frankreich haben sich dieserhalb in fruchtlose Unterhandlungen eingelassen. Jetzt aber hat Nord-Amerika den Knoten kühn zerhauen und mit seinen Expeditionen auf dem oberen Paraguai die von Brasilien gezogene Grenzlinie gewaltsam überschritten. Bald werden die Dampfer des Yankees, größer als die des Mississippi, auf dem Amazonenstrom fahren und blühende Städte an seinen Ufern wachsen; und dann wird Brasilien die Segnungen politischer Freiheit begreifen und die leichten Lumpen des Kaisermantels, die es um seine Schultern geworfen hat, werden beim ersten Sturm von ihm fallen, wie das leblose Laub in seinem Urwald. –

Seit den Brasilianern von den englischen Kreuzern das einträgliche Geschäft des Sklavenhandels gelegt und durch die Legislatur dasselbe streng verpönt worden ist, hat man durch allerlei Manipulationen versucht, Brasilien zum Ziel der deutschen Auswanderung zu machen. Von den großen Zügen, die seit dreißig Jahren dahin gelockt wurden, und fast ohne Ausnahme der Sklavenarbeit verfielen, sind nur wenige Spuren übrig. Die Wortbrüchigkeit der Regierung und die Perfidie der lockenden Versprechungen der Gutsbesitzer haben die frühesten Ansiedelungen in Elend vergehen lassen; die späteren theilweise gelungenen Versuche, dem Menschenhandel neuen Aufschwung zu geben, hatten nicht bessere Folgen; die paar tausend unglücklicher Opfer, denen freie Fahrt, freier Landbesitz und die Subsidien der Ansiedelung verheißen worden waren, fielen theilweise in die Hände der Plantagenbesitzer, theils wurden sie wie Gefangene in den Städten und Anstalten der Regierung zu den härtesten Arbeiten angehalten und erlagen der Entbehrung und Krankheit. Trotz solcher abschreckenden Erfahrung und trotz der nachdrücklichsten Warnungen sehen wir doch seit mehren Jahren die Emissäre jener fluchwürdigen Spekulation auf Menschenfleisch nicht bloß an allen Seeplätzen, sondern auch im deutschen Binnenlande schamlos ihre Werbebureaus aufschlagen und jährlich Tausende unwissender, argloser Opfer dem Verderben in den Rachen führen, unter den Augen von Regierungen, die zwar nicht blind für die Gefahren sind, aber kein Herz und keine Theilnahme mehr fühlen für das Schicksal Solcher, die sich ihrer Fürsorge entziehen, die taub sind für alle Mahnungen, die an ihr Ohr schlagen, oder wohl gar es gern sehen, auf solchem Wege Elemente los zu werden, von denen sie Beunruhigung ihrer eigenen Sicherheit fürchten, oder doch wenigstens nichts mehr für ihre Finanzkassen zu erwarten haben. Untergang der deutschen Einwanderer in Brasilien in Elend und faktischer Sklaverei ist die Regel; der Ausnahmen sind wenige.

Wir wollen die Stadt Neu-Freiburg unter diese Ausnahmen zählen. Im Jahre 1820 durch Kolonisten aus der Schweiz, größtentheils aus französisch redenden Kantonen, zu denen sich später Deutsche aus den Rheingegenden gesellten, gegründet, hat der Ort gegenwärtig etwa 120 Häuser und 1000 Einwohner. Die Gegend umher ist anmuthig, doch nicht fruchtbar, dicht bewaldet und so uneben, daß sich wenig Land zur Anlegung von Kulturen