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Ausgestattet hat die aristokratische Welt diese Landsitze mit üppiger Phantasie. Was alle Baustyle an Leichtigkeit, Freiheit und Koketterie besitzen, mischte sie so unentwirrbar zusammen, daß aus dem Chaos endlich wieder eine eigene, zwar regellose, aber doch nicht reizlose Architektur entstand. Allerdings ist nur von Holz, was anderwärts solides Steingefüge ist, aber damit ist eben die Möglichkeit und Leichtigkeit zierlicher Ausführung gegeben. Alle die verschiedenen Baustyle durchwehen asiatische Erinnerungen, welche sich an den massenhaft angebrachten Säulen und Säulchen, Pfeilern und Gitterwerken, an den Kiosks und lauschigen Verstecken hervordrängen. Weitfaltige Draperien in grellen Färbungen, bunte Teppiche, goldschimmernde Quasten, Fransen, Leisten und Hohlkehlen heben sich aus den Farbenmassen des Anstriches hervor. Dazu der Blumenschmuck der Gärten in größter Fülle. Unvorbereitet in der schönsten Jahreszeit hierher versetzt, würden Viele eher an Lissabon, Neapel oder Konstantinopel denken, als an das schlammige Newadelta unter dem 59. Grad der Breite. Selbst in den minder luxuriösen Umgebungen der Gebäude sind die wenigen Baumarten mit der den Russen eigenen Kunst in immer neuen Gruppen zu fortwährend wechselnden Schattirungen zusammengestellt. Dazu bewahrt der sammtglatte Rasen auf dem feuchten Morastgrund das herrlichste Grün und – seltsam genug – gerade die sibirische Fichte gleicht von fern einer recht üppigen Cypresse zum Verwechseln.

Von Neuem ändert sich die Scene. Dorfhütten im schwäbischen Styl treten an die Stelle der aristokratischen Sommerpaläste. Obstbäume umstehen sie, über ihren Thüren prangen deutsche Namen. Wir befinden uns in der Hauptstraße einer jener deutschen Kolonien, welche, von Katharina angesiedelt und gepflegt, sich ganz wohl befindet, wenn schon sie das deutsche Wesen ziemlich abgestreift hat. Schnell durchrasselt der Wagen das Schwabendorf. Vor dem letzten Hause öffnet sich der volle Blick auf die prächtige Residenz des Czaren. Es ist ein wahrhaft großer. Ueber eine weite, von zerstreuten Häusern und Baumgruppen geschmückte Aue strahlt die Newamündung im Morgensonnengold, ein Heer weißer Segel darauf, und hier und da die schwarzen Rauchflaggen der Dampfschiffe; jenseits aber ruht das unermeßliche Petersburg auf vielen Inseln, aus dessen Mittelpunkt, wie zwei glänzende Nadeln, die metallenen Spitzdächer des Admiralitäts- und des Festungsthurms emporschießen. Tiefer im Rauche der Kaiserstadt glitzern die Kuppeln der Isaakskirche wie Hügel von purem Golde.

Plötzlich macht die Straße eine Wendung und die ganze Fata Morgana ist verschwunden. Breite Flächen des traurigsten Sumpflandes drängen bis an die mühsam daraus emporgewölbte Straße heran. So eng grenzen üppige Pracht an trostlose Wüste zusammen. Alle Uebergänge fehlen hier eben so in der Naturerscheinung, wie im Menschenleben. Den einzigen Zusammenhang der Gegensätze bildet die kaiserliche Heerstraße – ein aufgemauerter Ukas.

Nicht eher sieht man von Petersburg etwas wieder, als bis man hineinfährt durch die Triumphpforte,