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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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welche dem Kaiser Alexander errichtet ward, als er zurückkehrte aus jenem Kriege, von welchem die Hofhistoriker behaupten, er sey geführt worden „für Deutschlands Befreiung und die Erschaffung des heutigen europäischen Staatensystems“. Als ob dies gleichbedeutende Dinge wären!
Endlich sind wir in Petersburg. Wir fahren durch schnurgerade Straßen, besetzt mit den kolossalen Häusern und breit wie Märkte. Nichts mahnt in denselben an etwas Ursprüngliches und Nationales, denn sie sind noch menschenleer. Erst tief in die Stadt hinein muß der Wagen rollen, um von Menschenfluthen umwogt zu werden. Aber diese unterscheiden sich dadurch wesentlich von denen anderer Weltstädte, daß sie beinahe unhörbar vorüberströmen. Freilich rasseln die Räder der Fuhrwerke, freilich klappern die Hufe der Rosse, allerdings dröhnt der Taktschritt marschirender Soldaten und hört man dann und wann die Rufe der Verkäufer. Aber der eigentliche Lärm der Lebensunbefangenheit fehlt; es ist, als habe Jeder zu befahren, zornige Mächte aus bedrohlichem Halbschlummer zu wecken. Man vermag sich eines Gefühls der Unbehaglichkeit nicht zu erwehren, und dieser Eindruck wird im Hotel, vor dessen Pforte uns die schwarzbefrackten Diener der fahrenden Ritterschaft mit tiefen Bücklingen empfangen, nicht verwischt. Nur nimmt er eine andere Form an.
Höflich macht der Wirth seinem Gaste zur ersten Beschäftigung, seine mit Legitimationspapieren wohl ausgerüstete Person jener Behörde vorzustellen, welche den officiellen Titel führt: „Dritte Abtheilung der eigenen Kanzlei Sr. Majestät des Kaisers“. Das Publikum nennt sie kurzweg die Gensd’armerie; in Wahrheit ist es die Geheimpolizei. Daß dieses Geschäft abermals nicht geeignet ist, einen angenehmen Eindruck zu machen, versteht sich von selbst, obschon die Russen behaupten, ihre Regierung zeige sich darin ehrlicher als andere, daß sie offen das Vorhandenseyn dieses Instituts anerkenne, während die Regierungen des Abendlandes dasselbe fortwährend verleugnen und doch nicht darauf verzichten mögen. „Räuber oder Diebe – es kommt auf Eines heraus“, meint Yorik. Verzeihlich ist es dem Fremden gewiß, wenn er mit eigenthümlichen Empfindungen die kleine russische Kirche betrachtet, welche dicht vor dem Gebäude der Geheimpolizei steht. Ihr Friedhof ist nämlich durch aufwärts gerichtete Kanonenläufe umzäunt, welche mit einander durch schwere Ketten verbunden werden. Es ist als solle man daran das eherne Zusammenwirken der soldatischen und kirchlichen Herrschaftselemente zu engster Umzäunung aller menschlichen Freiheit und Selbstständigkeit erkennen – ein Sinnbild, welches anderwärts auch am Orte wäre, aber doch gewöhnlich nicht öffentlich ausgestellt wird.
Uebrigens hat man es auf dem Geheimbureau keineswegs mit uniformirten Gensd’armen zu thun. Diese besetzen nur die Höfe des Gebäudes und nehmen uns am Eingang des Expeditionszimmers dienstbeflissen den Mantel ab, während wir von äußerst gewandten Leuten mit den artigsten Gesellschaftsformen begrüßt werden: eine Erscheinung, die dem Fremden aus dem heimischen Polizeibureau gerade nicht sehr geläufig ist. Bei der rasch und
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 158. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/166&oldid=- (Version vom 16.11.2025)