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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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bürgerlichen Unruhen massenhaft in Unteritalien ansiedelten, daselbst republikanische Gemeinwesen stifteten und hellenische Kultur in weiten Kreisen verbreiteten. Als das junge Rom zu Macht und Einfluß in ganz Italien gelangte, traten die griechischen freien Städte mit der größeren Republik in Bundesgenossenschaft, um sich gegen die Gelüste fremder Eroberung und Herrschaft zu schützen: allmählig wurde ihnen jedoch Roms Freundschaft so drückend und kostbar, daß man die Feindschaft als das kleinere Uebel wählte. In dem Kriege, den die Bundesgenossen gegen die Römer wagten, blieben diese Sieger und die Ueberwundenen mußten sich in’s Joch der Unterthänigkeit fügen. Auch Pompeji traf dies Geschick. Der größte Theil der hellenischen Bevölkerung, deren angeborene Liebe zur Freiheit das neue Verhältniß unerträglich fand, verließ jedoch lieber das paradiesische Campanien und wanderte massenhaft nach Hellas und in die griechischen Kolonien Siciliens zurück. Dadurch sah sich Rom genöthigt, Land und Städte mit neuen Ansiedlern zu besetzen. Viele kamen aus Latium, denn bei dem Tausche war der Vortheil auf der Seite Campaniens; und dessen Städte blüheten, von Rom begünstigt und beschützt, nun rasch zu schöner Entfaltung auf. Pompeji erhielt die Freiheiten einer römischen Municipalstadt. Es hatte eine eigene Verwaltung und wurde durch den Handel reich. Daß der Vesuv Gefahr bringen könne, daran dachte man damals nicht; denn der Feuerberg hatte sich seit Jahrhunderten ganz harmlos bewiesen und an die leichten Rauchwölkchen, die kräuselnd seinem Krater zuweilen entstiegen, knüpfte sich keine Ahnung an die Möglichkeit einer Katastrophe, wie sie nach nicht langer Zeit verheerend hereinbrach. Unvorbereitet und urplötzlich erfolgte nämlich im Jahre 63 nach Chr., unter Nero’s Schwertherrschaft, ein Ausbruch aus mehren Oeffnungen, der Herculanum zum dritten Theil in Trümmern legte und auch Pompeji theilweise zerstörte. Diese dem Wohlstande der Stadt geschlagene schwere Wunde war kaum geheilt, da brach die zweite, größere Katastrophe herein, welche wir erwähnt haben. Pompeji verschwand durch dieselbe von dem Angesicht der Erde. Spätere Ausbrüche gossen Lavaströme über die Aschendecke und wälzten vulkanische Schlammwogen über beide hin. Jede Spur der herrlichen Stadt war vergangen und im Laufe der folgenden Jahrhunderte, in deren Stürmen das Römerreich selbst zusammenstürzte, fremde Völker verwüstend und zerstörend die Länder durchtobten und alles römische Kulturleben niederstampften und vernichteten, erlosch selbst das Andenken an den Ort, wo Pompeji gestanden.
Und doch war die Decke, welche die Stadt verbarg, keineswegs so schwer, daß sie nicht hätte gelüftet werden können. Gar selten steigt nämlich ihre Dicke auf 15 Fuß, und als man im Jahre 1680 beim Graben eines Brunnens die ersten Spuren ihres Daseyns wieder auffand und verfolgte, fand man bei dem Abräumen des Gestrüpps, welches die Gegend überwucherte, an mehren Stellen noch Säulenkapitäler, Architrave und Friese von Tempeln und Theatern aus dem Boden ragen. Die ersten Ausgrabungen geschahen in den letzten Jahren des siebenzehnten Jahrhunderts. Anfangs bekümmerte sich die Regierung nicht um dieselben und überließ sie der Privatspekulation, welche eben auch nur
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/17&oldid=- (Version vom 30.10.2025)