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Folgen wir ihnen am Feierabend vom Meerufer nach dem Stadttheil, wo sie am dichtesten beisammen wohnen! Er ist nicht fern von der Pracht der Newskyperspektive und der Weg führt am Findelhaus vorüber. An 10,000 Menschen bewohnen dieses ungeheuere Viereck; davon sind etwa 4000 wirkliche Findelkinder, während gleichzeitig über 20,000 außerhalb der Stadt in den Filialen untergebracht sind. Ein jährlicher Zuwachs von mehr als 9000 Findlingen ist das Resultat der Sittlichkeits- und Armuthsverhältnisse einer Stadt von höchstens 500,000 Einwohnern!

Bald hinter dem Findelhause schrumpfen die Gebäude mehr und mehr zusammen und endlich gelangen wir auf einen weiten Platz von schmutzigem Aussehen. Das ist der „Heumarkt“, der Mittelpunkt der Petersburger Proletarierwelt. Als vor etwa 25 Jahren zum ersten Male der Würgengel Cholera nach Europa kam, geschah es, daß das sieche, hungernde, obdachlose Volk der „schwarzen Männer“ die Leichen seiner Brüder in der Raserei unermeßlichen Jammers auf dem Markte aufschichtete und aus den Händen der Aerzte, die man Mörder nannte, die sterbenden Kranken auf die Gasse zerrte. Es stürzte die zu Tode gemarterten Aerzte aus den Fenstern auf das Steinpflaster und tanzte mit Kannibalenlust um die geschändeten Leichen. Hier war es, wo im kritischen Augenblicke des Beginns einer furchtbaren Proletarierrevolution der Kaiser erschien. „Auf die Knie!“ gebot er – und das Volk sank auf die Knie. Er schritt in die Kirche, um von Gott das Ende der Seuche zu erbitten – und das Volk betete mit. Unterdessen hatten draußen die Soldatenmassen alle Zugänge des Heumarkts besetzt. Ohne Wahl griffen die Schergen des Czaren aus der Masse einige Hunderte heraus und an Ketten geschmiedet wurden die Armen nach Sibirien geschleppt: – Ruhe und Ordnung herrschte in Petersburg wie in Warschau. Aber noch heute, wie damals, lagern „die schwarzen Männer“, haufenweise zusammengeschichtet, die Nacht über auf den Treppen der Kays und auf den Steinplatten vor den Häusern, oder in düstern Winkeln und Kellern, Höhlen des Schmutzes und pestartiger Seuchen, auf halbfaulem Stroh, verdorbene Luft vergiftet ihre Lungen, der Branntwein zerwühlt ihre Eingeweide, und viele Tausende gehen jährlich in unaussprechlichem Elend hülflos unter.

Die Statistik Petersburgs läßt furchtbare Verhältnisse zwischen den Zahlen lesen. 300,000 der 500,000 Einwohner sind unmittelbar auf das tägliche Verdienst angewiesen, welches ihnen das Bedürfniß der 200,000 gewährt, die, bis auf eine kleine Fraktion, aus Staatsbeamten und Militärs bestehen. Nahezu 180,000 jener 300,000 aber fallen der Unterstützung anheim, die ihnen der Staat oder die Privatwohlthätigkeit zukommen läßt. Das Furchtbarste ist, daß unter den Nationalrussen die überwiegend größte Zahl Derer, welche sich von der bittersten Armuth emporarbeitet, dem Proletariate doch nicht entfliehen kann, wenn nicht die Gnade ihrer Leibherren sie davon erlöst. Der leibeigene Millionär bleibt immer leibeigen; die Laune des Leibherrn kann ihn in’s tiefste Elend zurückstürzen; die Kinder des leibeigenen Millionärs bleiben ebenfalls leibeigen, ja selbst durch das Gesetz des Staates ausgeschlossen von der Möglichkeit, höhere Bildung zu erringen, ausgeschlossen von der