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Sälen hervor, wie verwundert, daß die Welt da draußen nur schlafen mag, da doch eben erst die Zeit begonnen hat, welche hier allein des Wachens werth erscheint.

Mit der Nacht erwacht auch ein Machtgenosse, der bisher von seiner granitenen Mauer in Lethargie gefesselt schien – die Newa. In der Nacht hört man ihre Wellen rauschen, die am Tage vor dem Wogen des Menschenlebens verstummt schienen. Sie wacht auch dann noch, wenn die Lichter jener hohen Säle erloschen sind, wenn die ganze Stadt schweigend ruht, nur von Viertelstunde zu Viertelstunde aufstöhnend im monotonen, elegischen Rufe der überall ausgestellten Wachtposten. Dann ertönt das Brausen ihrer Fluthen in schaurigen Akkorden, drohend, gewaltig, alleinherrschend.

Und wenn sie dann dem Rufe ihres Bruders, des Sturmes, antwortet, wenn dann, wie ferner Donner, das Grollen ihrer Schwester, des Meerbusens, aus der Brandung hörbar wird – in solchen unheimlichen Nächten geschieht es wohl, daß urplötzlich das Meer hereindringt vom kronstadter Bollwerk her, dem Strome der Newa entgegen. Dann erhebt sich an den Mündungen ihrer vielen Arme der wilde Wogenkampf und überdeckt im Nu die unbebaut gebliebenen Vorposten des petersburger Delta’s mit seinem Schaume. Bald bäumen sich im Bereiche der Stadt die Fluthen an ihren granitenen Ufermauern empor, springen mit Blitzesschnelle über die Stufen der prächtigen Freitreppe herauf und auf ihren Postamenten erzittern die kolossalen Sphynxe, Löwen Greife, Obelisken vor dem losgelassenen Element. Fliegen endlich die ersten Morgenlichter des Ostens zur Kaiserstadt, so donnert Schuß auf Schuß aus der Citadelle die Städter empor und der Schrecken schüttelt alles Lebendige vor der der Menschenkraft spottenden Drohniß. In rasender Eile fahren die stolzen Karossen vor die Häuser der Aristokratie, todtbleich steigt sie heraus, und Schaaren von Dienern rennen aus den verlassenen Palästen hinter den flüchtigen Herren landeinwärts. Während noch die Masse sich durch die Newskyperspektive hinwälzt, haben die Wogen bereits die Kaytreppen erstürmt, im leichten Spiel die schweren Granitquadern ihrer Einfassung verschlungen, die Straßen überströmt. Gleichzeitig brechen aller Orten, auf der großen Seite wie jenseits auf den Inseln, die Newawellen aus den Kanälen hervor; aus den Abzugsschleusen schießen die Springfluthen auf, bald schäumt, tost, brüllt das rasende Element durch die ganze weite Stadt, deren höchste Punkte sich nur 15 Fuß über dem Meeresspiegel erheben.

Dies sind die furchtbaren Mahnrufe, mit denen die Elementargewalt der gewaltigen Czarenschöpfung entgegentritt. Der ununterbrochen dröhnende Kanonendonner der Festung hallt wie ein ohnmächtiger Schrei nach Hülfe und Erbarmen. Die Czarenmacht ergibt sich in die Newamacht auf Gnade und Ungnade.

Aber einen stärkeren Schild als gegen das Element hat der große Czar seinem Petersburg gegen die Gewalt der Könige und Völker gegeben. Peters Scharfblick erkannte, daß die Eroberungsgefahr für die neue Hauptstadt des Reiches nicht vom Lande her sey; von der Seeseite her sah er sie kommen; er sah sie in den Konflikten