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des freien Gemeinwesens blühte in voller Pracht, der griechischen Kraft unterlagen die unermeßlichen Perserheere bei Marathon, Salamis, Artemisium und Platäa, – das Volk hatte sich zum stolzesten Selbstbewußtseyn aufgeschwungen und was es that, that es in diesem Geiste. Die Städte in Attika, im Peloponnes, auf den Inseln wetteiferten in der Errichtung monumentaler Werke; überall stiegen prächtige Tempe und öffentliche Bauten empor. Die Bedeutung der Kunst für das Leben war zur höchsten und allgemeinsten Geltung gekommen. Phidias und eine Schaar von Meistern des höchsten Rangs führten aus, was der griechische Geist entwarf und dachte; Alles war in dieser Zeit vereinigt, um die hellenische Kunst auf den Gipfel der Entwickelung zu führen und zu der Vollendung zu bringen, welche wir in ihren Ueberresten bewundern und die wir nachahmen als unerreichbare Vorbilder und Muster. Die erste Hälfte des fünften Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung umfaßt diese Periode, in deren Kunstschöpfungen sich der göttliche Ernst, die erhabene Würde und die menschliche Anmuth vollkommen vereinigten.

Keine Blüthe hat, so wenig in der Kunst, wie in der Natur, eine lange Dauer; die prächtigste geht am schnellsten vorüber. Auch die hellenische stieg von ihrem Gipfel bald herab. Schon zur Zeit Alexanders des Großen (um 330 vor Chr.) wurde in der griechischen Architektur bald der Verfall sichtbar und nach dem Tode dieses großen Königs, als dessen Weltreich sich in einzelne Staaten aufgelöst hatte und als deren Beherrscher, griechischen Stamms, doch von persischem Stolz und persischer Prachtsucht angesteckt, eine Menge neuer Städte mit monumentalen Gebäuden errichteten zur Verherrlichung ihrer Geschlechter, – in den zwei Jahrhunderten, welche dem Anfang unserer Zeitrechnung unmittelbar vorangingen, – brach das Verderben rasch herein. Die Zwecke fürstlicher Prachtliebe verlangten vorzugsweise imponirende Effekte und diese Richtung bildete sich als die herrschende aus, als die griechische Kunst zur unterthänigen Magd Roms herabsank. Alle Monumente jener Zeit sind dem Geiste des Ebenmaßes, der Klarheit und der Naivität fremd, in welchem der Zauber der hellenischen Kunst aus der Periode ihrer höchsten Entwickelung verborgen liegt. Jene Richtung ging, ganz wie in unserer Zeit, vorzugsweise auf den Ausdruck der Leidenschaft, auf die Darstellung sinnlichen Verlangens und sinnlichen Reizes hinaus, im Gegensatz zur Stille der Seele, zur ernsten Würde, zur erhabenen Einfachheit und unbewußten Anmuth. Sie blendete das sinnliche Auge, das Gefühl aber ließ sie kalt, und ein Vergleich der stupenden antiken Bauwerke Roms mit den edelsten Resten griechischer Architektur wird die unendlichen Vorzüge der letzteren niemals verkennen lassen.