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auf’s Geradewohl an Orten, wo sie lohnende Kunstbeute zu machen hoffte, ein Loch abteufte und ein Stück von einem Tempel oder Hause zugänglich machte, um Geld und Kunstsachen herauszunehmen. Da jeder Schürfer verpflichtet war, den verlassenen Bau wieder zuzufüllen und einzuebenen, so war damit für die Aufdeckung der Stadt selbst nichts gewonnen. Erst im Jahre 1721 entschloß sich die neapolitanische Regierung, angelockt durch kostbare Funde, die Koncessionen den Privaten zu entziehen und die Aufdeckung Pompeji’s nach einem systematischen Plane für eigene Rechnung vornehmen zu lassen. Diese, obschon nicht ohne lange Unterbrechungen fortgesetzten, Arbeiten haben bis jetzt die kleinere Hälfte der alten Stadt an das Tageslicht gebracht. Weil die meisten Gebäude – bloß die hölzernen Dächer und die Plafonds verkohlten und stürzten ein – sich ziemlich vollständig erhalten haben, – denn die Steingewölbe haben dem Drucke der Schuttlast meistens widerstanden, – so bietet das wiedererstandene Pompeji mit seinen Marktplätzen, Straßen, Tempeln, öffentlichen und Privathäusern das überraschendste Bild einer altrömischen Stadt dar, und manche Straßen sind noch so frischen Ansehens, daß man vermeint, jeder Augenblick müsse den Zauber lösen, der auf dem antiken Leben ruht, und die Todtenstille sich in das Geräusch geschäftiger Menschen verwandeln.

„Lebt es in dem Abgrund auch? Wohnt unter der Lava verborgen
     Noch ein neues Geschlecht? Kehrt das entfloh’ne zurück?
Griechen, Römer, o kommt, o seht! Das alte Pompeji
     Findet sich wieder, auf’s Neu' bauet sich Herkules Stadt.
Giebel an Giebel steigt, der räumige Portikus öffnet
     Seine Hallen: o eilt, ihn zu beleben, herbei!“

Der Reisende, der Pompeji besehen will, nimmt in Portici einen Führer. Die Gegend der Ausgrabungen ist öd und traurig. Die haushohen Schutthaufen von Asche und Lava umwallen die alte Stadt wie die Halden großer Bergwerke. Hat man dieselben erstiegen, so führen schmale Pfade hinab in die ziemlich regelmäßigen schweigenden Gassen. Der erste äußere Eindruck ist keineswegs der erwartete: – man hat die Ruinen Roms und Pästums gesehen, ist vielleicht von Selinunt und Agrigent herüber gekommen und hat den riesigen Maßstab der griechischen Großstädte und des Imperatorensitzes mit hergetragen: in den ersten Gassen Pompeji’s aber findet man weder die imponirenden Reste, welche an die Welteroberer erinnern, noch sonst etwas Außerordentliches, das den Charakter des großen Alterthums sehr hervorragend bezeichnet. Die Straßen sind nicht weit, ja oft so enge, daß zwei Wagen nicht einander ausweichen können. Fast alle Wohnhäuser sind klein und einstöckig, die Thüren niedrig, und sie erscheinen um so winziger, je fester der Begriff gewurzelt war, nichts Altrömisches könne anders als groß seyn. Offenbar haben diese Straßen Pompeji’s so bescheidene Bewohner gehabt als unser Nürnberg oder Leipzig; man liest noch die Handwerksfirmen an den Thüren und Läden der Metzger, Bäcker, Sandalenmacher,