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DCCLXXXVI. Mertola an dem genuesischen Gestade.




Die Straße an der Meerküste, auf der die Legionen der Welteroberer von Italien nach Gallien zogen, war in der barbarischen Zeit in Verfall gerathen und weder im Mittelalter, noch in der Neuzeit irgend etwas für ihre Herstellung geschehen. Um von Nizza nach Genua zu gelangen, mußte man entweder den großen Umweg über den Simplon und über den Cenis nehmen, oder sich bequemen, den elenden und unbequemen Saumweg einzuschlagen, der, nur für Maulthiere gangbar, an dem Gestade hinführte, auf dem jedoch im Winter und nach Gewitterregen öfters gar kein Fortkommen war. Dies hat sich geändert. Schon Napoleon entwarf den kühnen Plan zum Bau einer Straße ersten Rangs von Nizza nach Genua, und er ließ denselben noch in den letzten Jahren seiner Regierung beginnen. Nach seinem Sturz blieb er liegen, und erst in späterer Zeit wurde er wieder aufgenommen und zu Ende geführt. Der Weg ist jetzt die Krone der Alpenstraßen. Es ist ein Werk, dem alten römischen gleich, dessen Trümmer streckenweise für den Neubau benutzt worden sind. Entzückend ist es, auf dieser Straße, den hohen Felsküsten entlang, um die Vorgebirge und Landzungen herum über Abgründe und Wasserstürze, oft auf Viadukten, oft auf hochgewölbten Brücken, hoch über die herrlichsten Gegenden hin, umkreist von den Adlern des Jupiters, an einem hellen Sonntagmorgen zu ziehen, begegnet von den Schaaren festlich geschmückter Landleute, welche zur Kirche gehen, und begrüßt von den Glocken und Gesängen, die aus Städten und Dörfern die Tiefe herauf, oder aus den Klöstern und Abteien herüber tönen, welche auf den Höhen im jungen Sonnenlichte prangen. Die Landschaften sind die prächtigsten Piemonts. Vom milden Himmel des Südens gesegnet, von den reinsten Lüften angehaucht, trägt ihr Pflanzenwuchs tropische Form und Fülle, und eine sorgfältige Kultur lohnt den Fleiß der Menschen reichlich. Rechts in der Tiefe erschaut man das tiefblaue Meer, beständig von zahllosen Fischerfahrzeugen, Dampfern und größeren Segelschiffen belebt; links die prächtigen Berge, die bald in Terrassen über einander gemächlich aufsteigen, bald jählings emporschießen bis zu den mit ewigem Eise bedeckten Domen der Alpen, und zuweilen durch breite Thäler Blicke in die Ferne öffnen, wo kühn geschwungene Linien die mannigfaltigsten Physiognomien