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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Die Ziele der Europäer, welche sich in Nord-Amerika eine neue Heimath gründen wollen, sind selten mehr in den atlantischen Ländern zu suchen; in den jüngeren Staaten des fernen Westens sind sie gesteckt, und namentlich sind es Minnesota, Wiskonsin, Iowa und Missouri, wohin der Zug der deutschen Kolonen geht. Den ersten Eindruck des Landes empfängt der Deutsche freilich an den Landungsplätzen: in New-Orleans, Boston, Baltimore, Philadelphia und New-York. Es muß derselbe nothwendig nach dem Grade der Bildung, der Erwartung und der besonderen Verhältnisse ein sehr verschiedener seyn. Worin aber die Eindrücke aller Einwanderer einmüthig zusammenstimmen, das ist das Staunen über die Kulturfortschritte des Landes, deren Größe an das Mährchenhafte streift, sowie die Bewunderung des Unternehmungsgeistes und der feurigen Thatkraft des Amerikaners in allen Dingen, welche auf das praktische Leben Bezug haben. Alles, was er darüber Rühmendes daheim gelesen und gehört hat, tritt weit hinter die Wirklichkeit zurück. Schon die unermeßliche Bewegung im Hafen von New-York entlockt ihm das Geständniß, daß sie nirgends ihres Gleichen hat; neben ihr würde der Hafen von Marseille oder Havre, von Hamburg oder Bremen still und kleinlich erscheinen; ja, nach dem eigenen Geständniß der Briten bieten die Themse-Stadt, „wo fünf Welttheile ihre Schätze tauschen“, und Liverpool ein minder großartiges bewegtes Gemälde dar, weil man dort weder das Gewimmel der amerikanischen Dampf-Fähren, noch der kolossalen, zwei bis drei Stockwerk hohen Flußdampfer schauen kann. Es ist überdies eine bekannte Thatsache, daß Bevölkerung, Verkehr und Reichthum in New-York verhältnißmäßig weit rascher fortschreiten als im zweitausendjährigen London.
Die Yankeeköpfe haben den eigenthümlichen Vorzug, daß sie, wenn auch weniger erfinderisch als ihr Vetter John Bull, sich dessen Erfindungen gleichwohl rasch anzueignen, sie praktischer auszubeuten und selbst wesentlich zu verbessern verstehen. Weder Kosten noch Risiko erschrecken sie dabei. Sie haben nicht nur bei der Schifffahrt, sondern auch in vielen andern Zweigen des Maschinenwesens bewiesen, daß sie noch Vollkommeneres leisten als die Engländer. Wer z. B. in London die Dampfpresse bewundert hat, welche die Auflage des Riesenblattes „Times“ in die Welt fördert, und nun, in New-York, die Presse manövriren sieht, welche von der „Tribune“ 50,000 Exemplare in drei Stunden fast ohne alle menschliche Beihülfe druckt, indem die Maschine nicht nur die einzelnen
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 181. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/189&oldid=- (Version vom 18.11.2025)