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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Schmiede, Krämer, Aerzte, Barbiere, der Bauhandwerker und der Gastwirthe, und unter 50 kleinen Wohnungen, die selten mehr als 30 Fuß Fronte haben, macht sich kaum ein größeres Gebäude bemerklich, entweder das Haus eines Reichen, oder die Lokalität eines Beamten der Gemeinde oder des Staats. Die gewöhnlichen Wohnhäuser scheinen alle nach einem Plane gebaut zu seyn, dem Bedürfniß bürgerlichen römischen Lebens streng sich anpassend und ihm entsprechend. Alle Zimmer sind auffallend klein, oft kaum 100 Quadratfuß groß; die Eleganz ihrer Verzierung aber deutet einen bürgerlichen Luxus und Wohlstand an, von dem die modernen Wohnungen unseres Handwerkerstandes gar keinen Begriff geben. Jedes Haus, sey es noch so klein, enthält zwei mit zierlichen Säulengängen eingefaßte Höfe; auf diese gehen die Fenster der Zimmer. Es scheint, die Alten haben ihr häusliches Leben den profanen Blicken so sorgfältig verborgen als es noch die südlichen Spanier, die Mauren und Türken thun. Die Frauen bewohnten die hinterste Hälfte des Hauses in anscheinend vollkommener Absperrung. Schlösser und Riegel schützen freilich nicht, wenn sich die Sitte nicht selbst beschützt, und dies ist niemals wahrer gewesen als zur Zeit, da der Aschenregen Pompeji begraben hat, denn alle damaligen Schriftsteller klagen über die Sittenverderbniß ihrer Zeit. – Von den Marktplätzen der Stadt sind vier mehr oder weniger vollständig aufgedeckt. Von einem Theil des Forum civile, des größten, gibt unser Bild eine getreue Ansicht. Es ist ein schöner, regelmäßiger, viereckiger Platz, an dessen einer Seite eine bedeckte mit Marmorplatten belegte Kolonnade für Spaziergänger hinlief. Vor den Zwischenräumen der jetzt meistens zerschlagenen und zerbrochenen Säulen sieht man noch die Postamente für die Bildsäulen berühmter Griechen und Römer, welche hier aufgestellt waren. Auf diesem Forum prangten auch die schönsten Tempel der Stadt: – das Pantheon, der Romulustempel, eine Basilica, ein Tempel der Venus und der große Tempel des Jupiter, an welchen ein Triumphbogen sich anschloß.
„Wohin führet der Bogen des Siegs? Erkennet ihr das Forum?
Was für Gestalten sind das auf dem curilischen Stuhl?
Traget, Liktoren, die Beile voran! Den Sessel besteige
Richtend der Prätor, der Zeug’ trete, der Kläger vor ihn“.
(Schiller.)
Schade, daß das Feuer so viel zerstört und die Kalcination des Marmors bald nach der Aufdeckung das Meiste einem schnellen Verfall hingegeben hat! – Ein zweiter Marktplatz, wegen seiner dreieckigen Form das Forum triangulare genannt, ist mit drei prächtigen, von dorischen Säulen getragenen Portiken umgeben und wird auf der Südseite durch die alte cyklopische Stadtmauer geschlossen. An dem dritten Markte, am Forum nundinarium, steht ein Theater und eine Kaserne, mit mehr als hundert kleinen Zimmern, in denen man noch 64 Skelette in voller Rüstung vorfand. Wahrscheinlich hatte ihr Befehlshaber in der allgemeinen Bestürzung vergessen, die Soldaten
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/19&oldid=- (Version vom 30.10.2025)