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Yankees lebt nur der Gegenwart, schafft und baut nur für sie und die Zukunft. Das süße Dämmerdunkel vergangener Jahrhunderte, das wohlige Träumen von einer alten goldenen Zeit, die freilich nur für Wenige golden war, die romantischen Moden und der deutsche Mondschein wollen diesem Geschlecht kein Behagen abgewinnen. Vergeblich ist alles Mühen des deutschen Schwärmers, in diesem nüchternen Lande Proselyten zu machen. Einst kam der Schreiber dieses Aufsatzes auf einer Hudsonfahrt in die Gesellschaft einiger gebildeten Bostoner, die auch am Rhein sich flüchtig umgesehen hatten. Sie sprachen von der Charakteristik der Ströme Deutschlands und Amerika’s und den Kontrasten ihrer Erscheinungen. Er erzählte ihnen die Rheinsage von der Lorelei, suchte ihnen die zarte Schönheit der Fouqué’schen Undine begreiflich zu machen, und schwatzte vom Ritter Hildebrand und vom deutschen Spukgeist Kühleborn, der noch immer spuken soll. Seine Hoffnung, die wassertrinkenden Temperance-Männer aus Massachusetts für deutsche Romantik zu bekehren, war aber eitel. Statt den Werth dieser Schätze deutscher Reminiscenz gehörig zu würdigen, und für die kommentirende Mühe wenigstens zu danken, brachen sie in Lachen aus. Das Rauschen des Steamers und Propellers, meinten sie, sey, wenn auch keine so „wundersame“, doch eine nützlichere Melodie als der Singsang der Lorelei. Nixenmusik habe einen Hudson-Piloten noch nie im Führen des Steuers gestört, und wenn Schiffe platzen und zerschellen, so sey gewöhnlich nur der Ueberfluß an Konkurrenz und Dampf schuld daran, und die Sehnsucht des Kapitäns nicht nach schönen Nixen, sondern nach blanken Dollars. So ein kräftiger Dampf, der einen tüchtigen Dreidecker treibe, sey aber, meinten die Yankees, augenscheinlich irdisch gesegneter als der romantische Nebel, bei dem man in unserem praktischen Zeitalter verhungern könne, und von Leuten, deren Phantasie zu viel an Nixen denke, sey es nicht verwunderlich, wenn sie nix in der Tasche hätten. Mehr Weinberge seyen allerdings am Rhein als am Ohio, auch mehr Mittelalter; aber am Ohio trinke der weinbauende Farmer den besten Tropfen selber; der arme rheinische Weinbauer hingegen müsse schwere Steuern zahlen und bei viel Schweiß viel Trebernwasser statt Wein trinken. Ob denn ein Farmer am Ohio oder Hudson bei täglichem Rostbeef und zunehmendem Wohlstande nicht beneidenswerther sey als so ein schwitzender und steuerngesegneter Weinbauer am Rhein? Die starrköpfigen Männer der neuen Welt von dem Irrthum ihres Raisonnements über die alte zu überzeugen, sie wenigstens für das schöne Stolzenfels und den Apollinarisberg zu erwärmen, ist allemal verlorene Mühe. Es sind eben unverbesserliche „Gleichheitsflegel“, wie sie Heinrich Heine eben so richtig als unpoetisch genannt hat.

Das Staunen über den materiellen Fortschritt der amerikanischen Kultur wächst bei dem europäischen Ankömmling, der nach Westen wandert, noch mehr, wenn er den Eriesee erreicht hat, das dortige Leben und Treiben betrachtet, die jungen Städte an seinen Ufern, die riesigen Mühlen und Fabriken, deren Räder der wilde Niagara treibt, die kühne Hängebrücke über dem senkrechten Felsbett dieses Wasser-Donnerers erblickt, dann