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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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seine Völker passen. Zu welch geheimnisvollem Bau wird der alte unsichtbare Meister die Räder und Fäden Wohl einmal brauchen, die hier am westlichen Webstuhle der Zeitgeschichte so emsig schnurren in den schwieligen Händen der Handlanger und Gesellen? Liegt in dieser Fiebereile, womit man nicht bloß einen Welttheil durch Büchse, Pflug und Dampf zu erobern versucht, sondern ländergierige Briareus-Arme auch anderwärts selbst über das westliche Weltmeer hinausstreckt, ohne nach Völker- und Staatenrecht zu fragen, liegt darin gar nichts Größeres als Beutelust, oder ein dunkeler, unbewußter Drang, ein geheimnißvoller Instinkt, welcher Nationen, wie Individuen zu räthselhaften Zwecken beseelt? Oder ist in diesem ruhelosen Jagen der Amerikaner nach Besitz, bei dem man nicht nur irdische Schätze sammelt, sondern auch die besten Mannestugenden: Muth und Thatkraft stählt, ist bei dieser Gier, nicht nur herrenlose Wildnisse urbar zu machen, sondern auch apathische Völker zu zwingen, an der eigenen Civilisirung Theil zu nehmen, nicht auch ein Etwas, das einen Gesichtskreis verräth, welcher ein klein wenig „über den Dollar hinausgeht?“ – Ob die Chorführer auf der andern Seite, welche sagen: man müsse der Macht und den Grundsätzen der Antipoden der Russen die Prinzipien des strengen Konservatismus entgegen halten – wohl eigentlich wissen, was sie reden? Wir beneiden sie nicht, daß sie von den glücklichen Wenigen bewundert werden, denn wir glauben, daß sie etwas dazu beitragen, den „Lebensfluthen“ im Westen einen neuen Impuls zu geben. Freilich wider ihren Willen!
Wir streifen hier an ein „wunderlich Kapitel“, welches besser in einem andern Buch steht. Wozu aber auch heute so ernste Dinge? Schaut doch die Sonne des Missouri draußen so sorglos hell vom blauen Zenith, als sollte es gar kein Donnerwetter mehr geben. Nur tief unten am östlichen Rande werfen Wolken einige melancholische Schatten. Dafür lachen tausend Rosen auf der Prärie und der goldene Mais schimmert aus allen Umzäunungen. Besser, draußen bunte Lepidopteren haschen und dem Gezwitscher der Vögel lauschen, als über die Politik von hüben und drüben unfruchtbare Vergleiche ziehen.
Betrachtet unser Bild von Weston! Welche Harmonie ist nicht in dieser jungen Blüthe westlicher Gesittung mit der heitern, großen, reichen Natur! Da ist keine Spur von dem langweiligen, mathematisch-regelmäßigen Würfelbau der atlantischen Städte, in denen die Freiheit wie in der Zwangsjacke des Despotismus einhergeht; – da schauen noch individuelle Unabhängigkeit und Eigenthümlichkeit heraus, jene Eigenschaften, denen wir die malerischen alten Städte verdanken, deren Unregelmäßigkeit Geist und Gemüth mehr ansprechen und ergötzen, als jenes Einerlei der rechtwinkelig nach der Schnur gezogenen Straßen, die man nicht durchwandern kann, ohne zu gähnen. Was machte die Städte der Griechen und Römer, dieser so hoch über den andern Nationen der Erde stehenden Völker, so schön? Das freie und stolze Selbstgefühl des Bürgers, welches sich in ihrer ganzen Anlage ausprägt. Es gruppirten sich die Wohnungen in malerischer Abwechselung um die Tempel der Götter auf den Höhen,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 187. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/195&oldid=- (Version vom 18.11.2025)