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abzurufen und sie starben auf ihrem Posten recht eigentlich als Opfer der eisernen römischen Disciplin. Im Ganzen mögen jetzt 20 Straßen vom Schutt befreit seyn; darunter mehre ihrer vollen Länge nach. Alle sind mit Lava sehr sorgfältig gepflastert und mit erhöheten Trottoiren an den Seiten für Fußgänger versehen. Auf allen Punkten, wo Straßen sich kreuzen, stehen Brunnen und Fontainen, alle mit zierlichen Ornamenten oder Bildwerken (Basreliefs), mehre auch mit einzelnen Statuen oder Gruppen geschmückt. Letztere befinden sich gegenwärtig im Museo borbonico, wo alle antiken Kunstsachen, die Beute der Aufdeckungen, bewahrt sind. Eine breite Straße führt durch das Thor von Herculanum nach der Gräberstadt, wo hunderte von Denkmälern bereits entblößt sind und noch mehre einer künftigen Ausgrabung harren.

Unendlich groß ist die Zahl der antiken Geräthe von Bronce und kostbaren Metallen, welche man in Pompeji vorfand. Die Katastrophe brach so unerwartet herein, daß die meisten Einwohner froh waren, das nackte Leben zu retten und die werthvollsten Dinge zurückließen. Doch so groß auch die Menge der Kunstwerke war (kein einziges Haus war leer von solchen und selbst die gemeinsten Thongefäße hatte die Kunst geschmückt), so selten wurden doch welche von hohem Werthe und eigentlicher Meisterhand aufgefunden. Schon damals war der Verfall der wahren Kunst weit fortgeschritten. Die pompejanischen Kunstgegenstände sind zum größten Theil mechanische Wiederholungen älterer Werke von Ruf, an denen weniger die schaffende als die geschickte Hand betheiligt war. Auch die Wandgemälde (jede Zimmerwand ist mit polychromen Bildwerken auf Kalk verziert) haben selten einen Anspruch auf höheren Kunstwerth, so nett und zierlich sie auch aussehen. Einen Hauptfund machte man durch die Aufdeckung einer Straße, die aus Magazinen von Gold- und Silberwaaren bestand und deshalb die Silberschmiedstraße genannt worden ist. Das Meiste ist, leider! von den Arbeitern verschleppt, und um die Entdeckung zu erschweren, zerschlagen und eingeschmolzen worden; das Herrlichste ist vielleicht auf diesem Wege zu Grunde gegangen: doch des Erhaltenen ist noch genug übrig, um einen Begriff von dem Luxus und dem Reichthume einer Stadt zu geben, die doch nur zu den größeren Landstädten zu rechnen war. Für uns ist namentlich die Kunstbildung ganz unbegreiflich, welche sich über alle Klassen der Einwohnerschaft erstreckte. Da ist nichts, an dessen Verzierung nicht die Kunst ihren Antheil gehabt hätte: das Gewicht und die Wage des Fleischers und die Lampe oder der Topf der armen Frau nicht minder wie der Kamm und Spiegel der vornehmen Matrone; das Wehrgehänge des Kriegers und der Halsring des Sklaven, wie das Silbergeräth auf der Tafel des reichen Mannes: – alle tragen die edelsten Formen an sich. Wenn Stettin oder Chemnitz nach zweitausend Jahren ausgegraben würde, wie jetzt Pompeji, welche Vorstellung würde man sich dann von der Kunstbildung dieser Städte nach den Funden zu machen haben! Könnte man nicht von einem Thor zum andern graben, ohne eine Schüssel oder eine Bronce zu finden, des Aufbewahrens werth? – Höchst anziehend ist auch der Besuch der Tempel mit den vollständig erhaltenen Einrichtungen,