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Im siegreichen fremden Herrscher sieht sie einen Schirmherrn, im Heere seiner Getreuen einen Panzer gegen die verhaßte Gewalt und Ungebühr, die sie unter dem alten Regimente bedrückten; sie findet eine Genugthuung in dem schadenfrohen Gedanken, daß Diejenigen, welchen sie sich früher unterthänig beugen mußte, nun, durch das fremde Schwert bezwungen, selbst zur Dienstbarkeit erniedrigt wurden. Aber für die Dauer Dessen, was der Eroberer schafft, ist selten Gewähr zu finden. Genöthigt, die wirksamsten Elemente der alten Staaten, die sein Schwert zerschlägt, in einer andern Zusammensetzung zu seinem Neubau zu verwenden, und tausend Bänder um ihn her zu schlagen, daß er nicht wieder in’s Chaos auseinander falle, muß er, soll sein Bau bestehen und Beifall verdienen, auch als Organisator und Weltweiser sich nicht kleiner zeigen, denn als Held in den Schlachten. Seine Persönlichkeit muß eine Sonne der Geister seyn, eine Mitte des Alls, ein Quellpunkt alles Lebendigen – und unter der Decke des strengen Herrschers muß ein Meer warmer Liebe wogen, welche zusammenhält, was das Schwert vereinigt: – unter dem stahlharten Panzer darf das fühlende Herz nicht fehlen, von dem aus sich Lebenswärme pulsirend über alle Theile seiner Schöpfung verbreiten soll. Einen Plan für Staatsgröße und Volksglück unwandelbar verfolgend, wird seine Persönlichkeit zum Born aller Thätigkeiten werden, die er für die Ausbildung seines Reichs aufruft. Er wird noch eine Stufe höher steigen müssen, denn als Sieger und Eroberer; er wird die Völker geheimnißvoll an sein Daseyn knüpfen, indem er ihnen die Bürgschaften der Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt, er wird sich zur Ursache von Wirkungen erheben, welche die Völker als Segen empfangen; er wird die innerste Wurzel werden einer Kette von Ueberlieferungen, welche, auf die Nachwelt übergehend, ihm als Heros gleichsam die Götterbrücke in die Ewigkeit hinüber schlägt.

Aber nur Wenige aus der Raçe der Eroberer haben diesem Ideale zugestrebt, und noch wenigere haben es erreicht. Unsterblich stehen die meisten auf blutrothen Blättern der Geschichte, ewiger Fluch lastet auf ihnen im Gedächtniß der Völker, die sie unterjochten und niederstampften; andere haben nur blasse Nacherinnerungen hinterlassen und was sie schufen fiel hinter ihnen so schnell wieder ein, als sie es aufgebaut. Nicht lichtumflossene Himmelsgeister sind sie gewesen; finstere Dämonen, der Erde angehörend und aus der Nacht geboren, brach kein Strahl von oben durch ihr geschichtliches Wirken; es hatte keine Heiligung und für das Reich Gottes war es unfruchtbar – man müßte denn einen negativen Nutzen ihres Daseyns in der Möglichkeit suchen, daß sie Zuchtruthe und Geißel in der Hand des Allmächtigen gewesen.

Aus Hochasien, aus der Wiege der Menschheit, sind die Propheten und Eroberer, die Großgeister des Himmels und der Erde, die Engel und Titanen in die Welt gekommen und haben das empfangene Licht und die empfangene Macht hinausgetragen unter die Völker. So entstanden die Sternennächte, welche die Menschen erfreut