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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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haben, und in denen die Saaten neuer Hoffnungen sprießten; so die lodernden Feuerflammen, welche die Völker fraßen und die geängstigte Welt mit dem Untergang des Geschlechts und dem Ende aller Zeiten bedroheten. Namentlich ist das von dein asiatischen Alpengürtel eingeschlossene Plateau der Mongolei der geschichtliche Boden, welchem die Meteore entstiegen, die von Zeit zu Zeit verheerend die alte Welt durchtobten und mit Entsetzen erfüllt haben. Von dort zogen einst aus die zahllosen Reiterschaaren, das römische Reich zu verwüsten; von dort kam Tschingis-Khan, die Geißel Gottes, unter dessem Tritt die Kulturblüthen einer halben Welt verdorrten; dort stieg der gewaltige Timur, der Mann von Eisen, aus dem Kreise der Hirten zum Welteroberer hinan, – ein zweiter Mohammed, in der einen Hand die Brandfackel und das Schwert, in der andern den Koran, um die heidnische und christliche Menschheit zu bekehren oder auszurotten. So siegreich und glücklich als Alexander, unterwarf er Rußland, und machte das heilige Moskau zum Aschenhaufen; seine Horden überflutheten das Reich von Byzanz; Syrien und Aegypten fühlten seine Geißel, Bagdad und ganz Mesopatamien bis zur Mündung des Euphrat machte er zur Wüste und aus den Köpfen von 90,000 Erschlagenen richtete der Furchtbare auf der Brandstätte des alten Khalifensitzes eine Pyramide auf; Indien bis zum Delta des Ganges wurde seine Beute; dazu Persien und der Pontus, und als er in der Ebene von Ancyra (1402) wider den Sultan der Türken mit 800,000 Mann vollkommen gesiegt, letzteren gefangen und in einem ehernen Käfig eingesperrt hatte, zog er mit einer Million Krieger gegen China aus, um die Eroberung des Welttheils zu vollenden. Er starb auf diesem Zuge und das ungeordnete Reich zerfiel nach seinem Tode in mehrere Staaten, unter denen nur einer eine große und dauernde Rolle gespielt hat – Hindostan. Timurs Enkel war der Schöpfer und Begründer des Reichs des Groß-Moguls, dessen Ordner und Erhalter. Geboren im Jahr 1542 faßte Akbar schon als Jüngling den Herrscherzügel mit eiserner Hand und Willenskraft, schlug die Empörung zu Boden, dehnte in langen, furchtbaren Kriegen mit den Nachbarn seines Reiches Grenzen über Indien und Caschemir mit einer Bevölkerung von 80 Millionen aus, und als er sich innen und außen den Frieden errungen, machte er eine gute Organisation und gewissenhafte Verwaltung des Staats zur Aufgabe seines übrigen Lebens. Seinen Beamten war er ein Schrecken, wie er es früher dem Feinde war; seinem Volke war er ein Abgott. Unter seiner langen Regierung gedieh das Reich zu einer Blüthe, wie sie Indien niemals wieder gekannt hat. Die Staatseinkünfte stiegen auf 1000 Millionen Franken, und er konnte mit Leichtigkeit ein Heer von 600,000 Mann besolden, das die Grenzen bewachte und die Gelüste der räuberischen, stets zu Einfällen geneigten Nachbarn eben so im Zaum hielt, als die Unruhestifter im Innern. Er baute Agra als seine Residenz mit beispielloser Pracht und machte es zum Mittelpunkt des Staatslebens, wo sich die Coryphäen der Poesie, Wissenschaft und Kunst versammelten, und von wo aus sich ein freundliches Licht in allen Richtungen verbreitete. Sich selbst den Vorschriften des Korans als strenggläubiger Mohammedaner willig unterwerfend,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/203&oldid=- (Version vom 19.11.2025)