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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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nöthigen? Soll der Hast, die Goldfelder Kaliforniens zu erreichen, ein Zügel angelegt werden können durch die im Verhältniß kaum eine Spanne breite Landenge von Panama? So fragt das unternehmungslustige Geschlecht. Die Antwort ist: Mit nichten. Zwar ist es der Meßkunst und Erdkunde noch nicht gelungen, den so lange gesuchten Weg zu finden, um mittelst eines Durchstichs die beiden Hälften von Amerika zu trennen, damit seine entgegengesetzten Ufer sich desto rascher verbinden können und der Strom des Weltverkehrs sich zwischen ihnen hindurch bewege; doch half vorläufig die Panama-Eisenbahn dem dringendsten Bedürfniß ein Ende gemacht. Ihre Beschaffenheit ist zwar noch von der Art, daß sie schon so manchem Passagier das Ende seiner ganzen irdischen Reise bereitet hat; aber das schreckt nicht ab, ihr den Vorzug vor der langsameren Umschiffung zu geben. Der Durst nach Gold ist im Menschen stärker als die Furcht vor dem Tode.
Thatsache ist’s, daß die Aussicht auf Kaliforniens Schätze viel dazu beigetragen hat, der neuen Welt früher den eisernen Gürtel um die Enge zu legen als der alten; dagegen scheint bei dieser die andere Weise eines Verbindungsweges, die eines Kanals, eher zur Ausführung gelangen zu sollen. Riesenhaft ist der Gedanke, welcher die Landenge von Suez zur Verbindung des mittelländischen und rothen Meers in zwei Richtungen zugleich zu durchstechen sich vorsetzt: riesenhaft auch das erforderliche Mittel; denn man ruft das Kapital zur Beschaffung von 200 Millionen auf. Wir haben dennoch den Glauben, der Geist unserer Zeit werde vor der Durchführung eines Werkes nicht zurückscheuen, das auf die Reducirung großer Entfernungen berechnet ist. Gleich wie alle Arbeit des Menschen, in welchem Zweige seines Schaffens es seyn mag, nur darin besteht, Dinge mit einander in Berührung und Verbindung zu bringen, also verhält es sich auch mit seiner großen Aufgabe, die abendländische Civilisation rasch über den ganzen Erdball zu verbreiten. Die Mittel zur Lösung dieser Aufgabe richtig zu erkennen scheint unserem Jahrhundert vorbehalten geblieben zu seyn, lind wenn auch die materielle Gewalt der Umstände und materielle Vortheile dabei als Faktoren wirken, so soll ihm dies sein Verdienst nicht nehmen.
Auch wird die Führung eines Kanals zur Verbindung des mittelländischen Meeres mit dem rothen Meere nichts dadurch an Werth verlieren, daß Aehnliches schon vor Jahrtausenden gedacht und versucht worden ist. Aegypten ist recht eigentlich die Wiege der europäischen Völkergeschichte und es wäre zu verwundern, wenn die Erbauer der Pyramiden und Ausrüster der ersten Entdeckungsreisen nicht Hand an die zunächst liegende Arbeit eines solchen Verbindungsweges gelegt hätten. Herodot nennt schon den König von Aegypten, Necho, Sohn des Psammetich, als ersten Gründer eines Kanals, der den Nil mit dem erythräischen (rothen) Meer verbunden habe. Der Kanal soll vier Tagereisen lang und so breit gewesen seyn, daß zwei Triremen (dreiruderige Galeeren) neben einander hätten vorbeifahren können. Später haben die Römer und endlich die Araber unter dem Kaliphat das Werk wieder aufgenommen; der Kaliph Abud Schiaffaral Mansor aber befahl, den Kanal zu verschütten, damit
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 200. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/208&oldid=- (Version vom 19.11.2025)