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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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nicht den Aufrührern zu Medina Lebensmittel auf demselben zugeführt werden könnten, und die Barbarei, in welche das Land später versank, ließ ihn in diesem Zustande bis auf unsere Tage. Bei der ägyptischen Expedition veranlaßte Bonaparte eine Vermessung und Nivellirung des Terrains durch seine Ingenieure; doch war die Eile, mit welcher diese zu Werke gehen mußten, wohl Schuld an dem sehr unzuverlässigen und, wie sich später zeigte, unrichtigen Resultate; denn sie hatten einen Unterschied von fast 10 Metern zwischen der Höhe des rothen Meeres bei Suez und der Bucht von Tineh am Mittelmeere gefunden. Laplace sprach sogleich seine Zweifel aus; englische Offiziere, die mit dem Barometer und siedendem Wasser vermessen hatten, erklärten den Unterschied zwischen beiden Meeren für wenig bedeutend; im Jahre 1847 endlich bildete sich eine Gesellschaft zur Untersuchung der Landenge, an deren Spitze die Ingenieure Negrelli, Robert Stephenson und Talbot standen. Die von ihnen gefundenen Resultate ergaben einen Höhenunterschied von nur etwa 2½ Metern zwischen den beiden Meeren und die später auf Anordnung des Vicekönigs von den Ingenieuren desselben vorgenommenen Nachmessungen bestätigten deren Richtigkeit.
Auf diese neueren Untersuchungen gestützt und zur genaueren Prüfung derselben trat kürzlich ein Verein der bedeutendsten Techniker und Kapitalisten zusammen. In dem Vorstande desselben, von Lesseps, war ein unermüdlicher, von der großen Idee begeisterter, sachkundiger Vertreter gefunden, und den rastlosen Bemühungen dieses Mannes gelang es, trotz aller Gegenbestrebungen, die der britischen Politik nicht fremd waren, die Koncession zum Kanalbau von der ägyptischen Regierung zu ermitteln und von der türkischen die Sanktion derselben auszuwirken. Der Kanal soll die kürzeste Linie von Suez nach dem alten Pelusium, nehmen, 120 Kilometer (17½ deutsche Meilen) lang, 40 Meter breit und auf einer Wassertiefe von 8 Fuß erhalten werden; bei Suez wäre mittelst zweier Hafendämme ein großer Wasserbehälter anzulegen, um die Höhe des Wasserspiegels im Kanal der des rothen Meeres gleich zu stellen. Die größte Schwierigkeit bietet die geringe Tiefe des Meeres in der Bucht von Pelusium dar; um diese zu überwinden, wird es nöthig seyn, den Kanal durch zwei Dämme von nicht weniger als 6000 Meter Länge in das Meer hinein zu verlängern. In freilich viel geringerem Maßstab finden sich dergleichen Werke mehrere im mittelländischen Meere, z. B. bei Genua, Cette, Barcelona, und am atlantischen bei Kadix und Cherbourg; besonders aber ist der großartige Breakwater vor Plymouth zu nennen. Schleppdampfschiffe würden bei widrig einstehenden Winden die Abfahrt der Schiffe erleichtern müssen. Dagegen scheinen die angestellten Untersuchungen die Furcht zu beseitigen, daß der Niederschlag der vom Nil fortgeführten Erdtheile sich vor der Bucht ablagere; der Boden derselben enthält reinen Sand ohne Lehmtheile. Man tröstet sich mit der Thatsache, daß das Meeresufer noch eben so nahe an den Ruinen des alten Pelusiums ist, wie es die alten Geographen angeben. Von dem Hauptkanale aber soll, um die Verbindung mit Alexandrien herzustellen, eine Wasserstraße von gleichen Dimensionen nach dem
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/209&oldid=- (Version vom 19.11.2025)