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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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mit den priesterlichen Wohnungen und den Läden, in welchen das Fleisch der geopferten Thiere verkauft wurde, mit den Wechsel- und Krambuden auch in den Höfen. Noch sind die steinernen Gestelle für die Tafeln vorhanden, auf welchen man die Waaren auslegte. Von nicht geringerem Interesse für die Kunde der Bühneneinrichtungen der Alten war die Aufdeckung des großen tragischen Theaters. Aus Tuffstein aufgeführt, und mit Marmorplatten bekleidet, konnte es 6000 Zuschauer auf seinen Sitzreihen fassen.
„Unter dem geräumigen Porticus stürzt’ einst durch seine
Sieben Mündungen sich fluthend die Menge herein.
Mimen, wo bleibt ihr? hervor! Das bereitete Opfer vollende
Atreus Sohn, dem Orest folge der grausende Chor!“
(Schiller.)
Das Odeon mit dem prachtvollen Orchester aus pentelischem Marmor war mit dem Theater durch eine Gallerie verbunden und hatte für 1500 Zuhörer Raum. Auch ein Amphitheater für die Gladiatorenspiele besaß Pompeji. Wie das Colosseum Roms von ovalrunder Form mißt es in seiner größten Weite 430 Fuß. Es ist das imposanteste Gebäude der alten Stadt und seine herrlichen Verhältnisse erregten bei der Ausgrabung eben so sehr die Bewunderung, als der in seinem Raume verschwendete Kunstschmuck. Das Podium, aus welchem die Sitzreihen der Zuschauer über die Arena sich erhoben, war mit den schönsten Gemälden in den frischesten Farben bedeckt; aber, der Luft ausgesetzt, verschwanden sie schon nach wenigen Jahren. – Eine Art Börse, ein Bazar und ein Handelsgericht waren im Chalcidium vereinigt. In dem Hofe, der mit einer Kolonnade schöner Marmorsäulen korinthischer Ordnung umgeben war, befanden sich die Verkaufsgewölbe, in welchen die Tafeln stehen, welche zum Auslegen der Waaren dienten. Bei der Ausgrabung fand man noch die Schränke in den Wänden; noch waren an den Pfeilern und Säulen Plakate und Anzeigen angeschlagen; noch lagen Gold- und Silbermünzen auf den Tafeln, die vielleicht in dem Moment aufgezählt worden waren, als die Katastrophe hereinbrach. Die Schlüsselbunde zu den Waarenbehältern, die Haken zum Fortbewegen der Ballen, die Wagen und Gewichte waren noch jedes an seinem Orte. Gold- und Silbermünzen fand man in Menge in den Lokalen der Wechsler aufgespeichert und in einer Getreide- und Getränkehalle waren die mit den Bildnissen der Kaiser gestempelten öffentlichen Getreide-, Wein- und Oelgemäße verwahrt. – Unter den neueren Ausgrabungen zeichnen sich die der Bäder aus, welche sich in dem südlichsten Stadttheil in einer Straße befanden, welche darum die Thermenstraße genannt worden ist. Es fand sich Alles noch vor, wie es bei der Verschüttung verlassen worden war; in manchen Badezellen waren die Hähne geöffnet, man fand Reste und Ornamente von den Kleidern der Badenden, in einer Marmorwanne sogar ein weibliches Gerippe. Alle Gemächer waren
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/21&oldid=- (Version vom 30.10.2025)