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Nil geführt werden und es ist wahrscheinlich, daß die Herstellung derselben, da sie wenig Schwierigkeiten bietet, viel früher vollendet werden wird, als der Hauptstrang nach Pelusium, wo ihn die unermeßlichen Hafenbauten und öde Ruinen erwarten. Gewiß wird die Stadt Alexanders viele Jahre voraus alle Früchte des neuen Welthandelswegs ernten, ehe nur auf dem wüsten Strande Pelusiums ein einziges Magazin emporsteigt, und sie wird es wohl möglich machen, auch für die Zukunft die Vortheile festzuhalten, deren Süßigkeit sie gekostet hat.

Die Erdarbeiten an sich, welche die Anlage erfordert, sollen keine sehr großen Schwierigkeiten darbieten. Gleich hinter Suez trifft man eine Ebene, die früher vom Meer bedeckt war, das noch eine Reihe salziger Gewässer zurück gelassen hat, gewöhnlich „die bitteren Seen“ genannt. Dann folgt ein höheres Tafelland, von welchem man in das Becken des See’s Timsah hinabsteigt. Dieser liegt schon in der Mitte zwischen beiden Meeren und wird im Norden von einem Ausläufer der arabischen Gebirgskette begrenzt. Hier allein würde ein etwas tieferer Durchstich nöthig werden.

Die Kosten sind auf etwa 200 Millionen Franken veranschlagt, die Einkünfte auf etwas über 40 Millionen Franken und zwar aus folgenden Einnahmequellen: 1) Aus der Abgabe für die Befahrung des Hauptkanals, 2) für die Benutzung des Verbindungskanals mit dem Nil und Alexandria; 3) aus dem Anbau der der Gesellschaft verliehenen Ländereien und für die Bewässerung der Grundstücke anderer Privateigenthümer.

Die Belebung, welche durch die Eröffnung dieses neuen Weges dem Handel mit beiden Ufern des rothen Meeres, auf der afrikanischen, wie auf der asiatischen Seite, zu Theil werden muß, braucht wohl kaum angedeutet zu werden. Außerordentlich groß ist die für den europäisch-indischen Verkehr zu erwartende Zeit-Ersparniß. Der Weg von Hamburg nach Ceylon um das Kap beträgt 14,650 Seemeilen, durch den Kanal 7600; von Havre eben dahin um das Kap 14,130 über Suez 7090; von Marseille in ersterer Richtung 14,300, in der letzten 5490; von Konstantinopel 15,630 und 4759.

Bis der Kanal fertig wird, hat die von Alexandria nach Kairo gelegte Eisenbahn, deren Fortsetzung nach Suez jetzt in Vollendung begriffen ist, die Bestimmung zu erfüllen, Alexandrien die kürzere und wohlfeilere Verbindung zwischen Indien und Europa zu sichern, und den Weltverkehr inniger an seine Geschicke zu fesseln. – Alexandriens Handel hat so große Fortschritte in der kurzen Zeit gemacht, seitdem ich die Stadt in diesem Buch schilderte (IX. Band) und seine Kräfte an Erfahrung und Kapital sind so gewaltig geworden, daß kaum zu fürchten steht, Pelusiums Nebenbuhlerschaft, die durch den Kanal droht, werde ihm wirklich Gefahr bringen. Viel wahrscheinlicher ist es, daß der Kanal nur dazu beitragen wird, Alexanders große Intentionen vollständiger zu verwirklichen als es ihm selbst und seinen Nachfolgern möglich war, und die Stadt des Welteroberers in ihm das Mittel finden wird, ihren Verkehr und ihre Geltung über alle Zonen der Erde zu verbreiten.