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DCCXCIV. Düsseldorf.




Die Muse der bildenden Künste ist immer Freundin und Begleiterin einer edlen Gesittung und schönen Natur gewesen. Die herrlichsten Landschaften, der sonnigste Himmel, die am schönsten gelegenen Städte waren immer vorzugsweise ihr Aufenthalt, denn da war der Menschen Geist, mit dem sie verkehrte, am leichtesten angeweht vom Zauber des Schönen, das die Natur ausströmte. Darum waren es auch Griechenland und Italien vorzugsweise, wo sich der Sinn für Kunst am höchsten entwickelte. Wohl hat sie auch Tempel im Norden, in den Ebenen, oder am flachen Ufer des Meeres; aber sie ist selten daheim und erscheint nur als ein zeitweiliger Gast. In Deutschland, im Herzen der modernen Civilisation, war sie seit länger als einem Jahrtausend heimisch; namentlich ist sie an den herrlichen Ufern des Rheins auf- und abgewandert und auf dieser Heerstraße der Kultur hat sie in den alten Städten Basel, Straßburg, Mainz, Köln schon frühzeitig Wohnsitze gehabt. Ihr neuester aber ist da, wo die Stromnymphe die letzten Perlen ihres Geschmeides niederlegt, im freundlichen Düsseldorf.

Düsseldorf ist eine Stadt von noch jugendlichem Charakter, in der ein frisches Leben pulsirt und mit behaglichem Wohlstand einhergeht. Zeit und Mittel sind da hinreichend vorhanden, dem Genuß am Schönen nachzuschlendern; Auge und Sinn werden nicht von den Eindrücken des Verfalls gestört, wie in manchen alten, aber verkommenen Städten am Rhein, noch wird er abgezogen und betäubt vom Geräusch des Alles übertönenden Fabrik- und Handelslebens, wie im reichen Köln. Der Kunst ist wohler in Düsseldorf als anderswo, und hat, obgleich sie vielfach mit der Ungunst ihrer Protektoren zu kämpfen hatte, doch einige der schönsten Blüthen getrieben, welche jemals dem vaterländischen Boden entsprossen.

Die Gründung der düsseldorfer Maler-Akademie fällt in’s Jahr 1767, in die Regierungszeit des pfälzer Kurfürsten Karl Theodor, nach dessen Tode sie als Erbe auf Maximilian Joseph von Bayern überkam. Beim Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Preußen wanderten Düsseldorfs Kunstschätze und die meisten Künstler nach München und Augsburg aus, und während der französischen Occupation war die Thätigkeit der Akademie gänzlich