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Vom Grabhügel des Vater Meyer.




„Gebt mir meinen Stock, ich hab’ noch ’n weiten Weg vor mir“ – das waren seine letzten Worte, und noch in derselben Stunde rang sich der Geist von dem Staube los, und heim kehrte der Geist zu den Geistern, der Staub zum Staube.

Ein kleiner stummer Trauerzug war’s, der im Morgengrauen aus dem Thore des großen Hauses wallte – noch war der lärmende Tag nicht eingezogen, die Pressen träumten noch in ihren hohen Sälen und die Lettern schlummerten noch im Setzkasten – draußen schwirrten die Lerchen zum Himmelsblau empor und das erste Morgenlicht küßte den Thau von den Halmen – wie ein Schatten, so stumm und so düster schritt die kleine Schaar durch die erwachten Fluren, nach dem großen grünen Garten, wo die ewigen Schläfer wohnen. Dort, im blumigen Hügelfeld, ließen die Männer ihre Bürde nieder und in die frisch bereitete Zelle senkten sie den großen Todten ein. Gar treue Augen sahen ihm nach und schwammen in Thränen, stumm blieb’s, die beklommene Brust ließ kein Wort des Abschieds frei – stumm kehrten die schwarzen Männer wieder von dannen; die Lerchen schwirrten wieder und mit den kosenden Sonnenstrahlen fielen die rauhen Schollen auf das bekränzte Dach des kleinen Breterhauses.

So ward dem Tod sein Recht gewährt. Daheim aber im großen Haus war das Leben vom vergangenen Tag wieder eingekehrt, Flor und Festkleid sind abgelegt, die Maschinen bewegen sich im gewohnten Tempo, geschäftig rühren sich alle Hände, denkend und schreibend, setzend und druckend, falzend und heftend, ätzend und stechend, schafft’s und strebt’s in allen gewohnten Richtungen, wühlt’s und wimmelt’s wie Ameisenwerk, Steinchen auf Steinchen häufend; jeder Augenblick fördert einen Theil zum Ganzen, Schlag auf Schlag gedeiht ein neues Stück, Alles wirkt und webt an einem Zeug, nach einem Plan, in einem Sinn, mit einem Fleiß, für einen Zweck; in geregelten Pulsschlägen durchströmt schaffendes Leben alle Räume. – So war’s selbigen Tages daheim, wo des Geistes Spur noch fort und fort in neuen Gebilden uns erscheint und des Geistes Stimme noch von allen Wänden wiedertönt.

Und so ist’s geblieben; noch tagtäglich wandelt der vertraute Geist durch dieselben Räume; ist der eigene Leib auch in’s Reich der Schatten gewichen und welkt die müde Hand in der Gruft, er spottet der Boten seines Willens; in hundert Köpfen lebt er fort, tausend Hände regiert er nach seinem Sinn und in viel tausend Herzen ist er triumphirend eingezogen.