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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Ich nehme ihn wieder auf, den Wanderstab des todten Führers. Ihr aber, ob Ihr dem neuen Führer traut? – Versucht’s! – Es sind mit ihm der Kundigeren und Begabteren viele; manche, deren Spuren Euch aus dem Dienst des Alten schon bekannt, manche, die ihm gar nahe standen und in deren Geist des Alten Feuer wiederleuchtet, viele, die schon lange als der Humanität, der geistigen Freiheit Bannerträger gelten; sind’s auch noch Schüler, so sind sie doch aus des alten Meisters Schule und die Mission, die er ihnen vermacht, erfüllt sie Alle mit Drang und Gluth. Sie klopfen gar kühn an die Pforten der Welt, die des Schönen, Großen und Wunderbaren noch so unendlich viel Euch erschließen sollen; sie erklimmen mit Euch die Fühlhörner der Erde und steigen mit Euch nieder in’s stille Waldesdunkel; sie führen Euch auf die Turnplätze des Geistes, oder heben Euch auf den Schwingen der Phantasie in die luftigen Höhen und zeigen Euch unseren Planeten im Weltenraum schwimmen, mit seinen hellen und dunklen Flecken, mit seinem Elend und seinem Glanz; sie begleiten Euch nach den Leichenfeldern vergangener Zeiten, Nationen und Kulturen, die Todten im blendenden Gewand des Lebens zu beschwören, oder sie lustwandeln mit Euch im blühenden Garten der sprossenden Jugendkeime und lassen Euch im Zauberspiegel prophetischer und dichterischer Betrachtung die Gestalt der Zukunft schauen. –
Genug davon auf dem Todtenhügel. Pflückt Euch zum Abschied von dem letzten Blüthenstrauch, der aus dem gebrochenen Herzen Eures alten Freundes knospete:[1] – die letzte Thräne, den letzten Gruß! – Du großer Todter, schlaf du wohl! leb’ du wohl, du blumiges Hügelfeld! –
Und nun hinaus in’s frische Weltenleben, hinaus in die duftige Blüthenpracht, zu Sonnenschein und Lerchenschlag, hinaus zur harrenden Schaar der neuen reizenden Bilder und beschwingten Gedanken! Ich führ’ Euch an; – wer wird mir folgen?
- ↑ Die letzte unvollendet gebliebene und in diesem Heft abgedruckte Arbeit aus Meyer’s Feder: „Fragment“ überschrieben. Sie gibt seine Aussicht und seine Betrachtung von einer Berghöhe bei Hildburghausen, die er in seinem späten Alter zu einer Garten-Anlage umgeschaffen und, wenn sorgen- und arbeitsfrei, zu seinem Lieblingsaufenthalt ausersehen hatte.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/233&oldid=- (Version vom 21.11.2025)