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F r a g m e n t.

Ich sitze auf „Hermannseck“, meinem Lieblingsplätzchen in meinem Garten. Vor mir, über lustiges Birkengesträuch hin, das mit Dörfern, Mühlen und Gehöften besäete Thal, dessen Boden ein weiter Wiesengrund mit Erlengebüsch, zwischen dem sich die junge Werra hinschlängelt, nur dann und wann silberne Blicke spendend. Bunte Saatfelder ziehen sich am Gehänge hinan, und über diesen reihen sich die mattfarbigen Beete der Kartoffeln, des Brodes des armen Mannes, bis zum Saum der dunkeln Fichtenwälder, dem Schmuck der thüringer hohen Berge. Hie und da tauchen aus dem Dunkel des Waldes, wie Oasen, lichtgrüne Stellen auf, die Nähe der Walddörfer anzeigend, wo vor länger als einem Jahrtausend die Menschen mitten in der Wildniß rodeten und siedelten. Vorn am Waldsaum des Bleßbergs, an dessen majestätischer Pyramide im Centralpunkte des Bergpanorama’s die anderen Höhen zu beiden Seiten in schöngeschwungenen Linien ablaufen, leuchtet das nette Kirchlein von Stelzen mit seinem Pfarrhause herüber; weiter links, aus dem Buchenhain eines Porphyrkegels, die Krocker Kirche mit ihrem schönen Thurm, und die Klause des Küsters und Schullehrers, beschattet von einer alten Ulme. Noch weiter hin, oben auf der einen Abdachung der Bergplatte, liegt, wie ein Küchlein im Nest, die Häuserschaar von Waffenrod, wo in uralter Zeit die Waffenschmiede des Thüringer-Waldes das zähe Eisen geschmolzen aus den in der Nähe brechenden Erzen, das ihre Klingen und Panzer so berühmt machte: jetzt ein armes Dörflein, von Holzhauern bewohnt, denn das Gewerbe seiner Gründer ist längst verkommen. Links, tief unten, hinter Gemüsegärten und Parkanlagen, die jetzt verödet, ist Hildburghausen, die Stadt meiner Sorgen, meines Kampfes und meines verborgenen Glückes. Rechts aber, über den Nacken des Höhenzugs, der die Maingewässer von denen der Weser scheidet, findet das Auge einen Ausblick auf die schönsten Punkte des Frankenlandes. Aus zehnstündiger Ferne her leuchten mit Erz gedeckt die Thürme der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, und nahebei rechts guckt aus dem Walde das herrliche Abteigebäude von Banz hervor, ehedem ein Sitz der Schüler des heiligen Benedikt, jetzt ein Schloß der bayerischen Königsfamilie; noch tiefer im Hintergrund, die Aussicht beschließend, ragen die ungeheueren Felswände des Staffelstein, mit seiner Kapelle und dem Gnadenbilde, dem altberühmten Ziele von viel tausend Wallern! Jeder Tag kleidet die Fernsicht in andere Farben und läßt die hundertmal gesehene Gegend in anderen Schattirungen erscheinen. Und allemal ist’s schön und herrlich; aber am liebsten weilt doch der Blick in den thüringer Bergen. Nichts drüben als Wald und Wolken, kaum hin und wieder eine Blöße, über die ein Pfad in hundert Windungen klettert, oder ein Platz mit blinkenden Holzstößen oder die Rauchwölkchen von Kohlenmeilern und Hüttenwerken, Zeichen verborgenen Lebens und Fleißes. Bloß das