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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Alles täuschend wahr, in der Ferne hellglänzend, und, wenn sich die Morgen- oder die Abendsonne spiegelt in den tausend und aber tausend Gypskrystallen, die in den Thon eingelagert sind, von feenhafter Schönheit.
Diese wilden und einsamen Gegenden erhalten eine eigenthümliche Staffage durch die verschiedenen Thiergattungen, welche dort ihre Heimath haben. Heerden von scheuen Büffeln jagen über die Ebene, in Rudeln schleichen die Wölfe durch das hohe Prärie-Gras, in Schluchten und Abgründen haust der grämliche Bär, und auf den Gipfeln der Bluffs weidet das Bergschaf oder tummelt eine Heerde schnellfüßiger Antilopen, sicher vor ihren Feinden, denen die jähen Abhänge unersteigbar sind. Dort, an den Ufern des Missouri, ist auch das Elk zu Haus.
Das Elk, eigentlich der kanadische Hirsch, Wapiti bei den Indianern, ist der Vertreter des Hirschgeschlechts in Nordamerika und eines der Charakterthiere im Landschaftsbilde jenes Welttheils. Es ist ein gut Theil größer, als unser Edelhirsch, von gleicher Farbe und mit einem großen prächtigen Geweih geschmückt. Ehedem war es, wie der Wolf, der Bär und der Biber, an der östlichen Oceanküste allenthalben zu sehen; jetzt hat es die Kultur zurückgedrängt bis in die Gegenden, die wir beschrieben. Dort, wo die Thalschluchten der Felsengebirge in die Prärien ausmünden, leben die Elke in großen Schaaren beisammen. Es ist prächtig anzusehen, wie die eleganten Thiere in munteren Sprüngen sich ergötzen oder behaglich im üppigen Gras sich strecken, wie sie von dem Weinlaube naschen, das in langen und zierlichen Gehängen von den niedrigen Büschen herabrankt, andere in den Untiefen des Flusses ihre Glieder baden. Aber selbst in Augenblicken der größten und harmlosesten Sicherheit schläft ihre instinktartige Wachsamkeit nicht. Während der größte Theil der zahlreichen Heerde ausgelassen umherdahlt, stehen einzelne Elke, gewöhnlich die größesten und ältesten der Schaar, auf vorspringenden Felsen oder anderen Erhöhungen, welche die Savannen weit überblicken, als Schildwachen auf der Lauer, den Kopf hoch in die Luft und die Nüstern weit offen, um Witterung einzuziehen. Sobald irgend etwas Bedenkliches erscheint, gibt ein lautes Schnauben das Zeichen zur allgemeinen Flucht. Dann krachen und brechen die Gebüsche und Gesträuche unter der Wucht der Hufe. Die ästigen Geweihe reißen ganze Gehänge des wilden Weinlaubs mit hinweg; donnernd geht’s in wilder dichtgedrängter Flucht die nächste Anhöhe hinan. Große Steine und Felsentrümmer stürzen unter den Tritten der Vorderen nieder und fallen unter die zuhinterst nachdrängenden Thiere; einzelne derselben rollen sammt dem losgerissenen Erdreiche kopfüber hinab unter die nachstürmende Heerde. Aber bei aller Verwirrung vergeht keine halbe Minute – und der ganze Rudel hat die Anhöhe erreicht und saust über die jenseits gelegene Prärie mit der Schnelligkeit des Windes dahin. –
Die Elkhornpyramide auf unserem Bild ist ein Kuriosum, von dem uns der Prinz von Wied zuerst erzählte. Sie befindet sich auf der großen sogenannten Elkhornwiese am Missouri, und wurde von Indianern aus mehreren tausend Geweihen aufgethürmt.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 240. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/248&oldid=- (Version vom 22.11.2025)