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Reichen die Sonne nicht unterging“, starb 1556. – Jedes Volk überliefert sich durch Jahrhunderte die Erinnerung an seine vergangene Größe und schmückt sie endlich mit dem Immergrün der Sage aus. Das thut der Spanier noch heute mit den Zeiten „des Kaisers“, wie er, trotz alles spanischen Stolzes, mit der deutschen Würde, seinen größten König nennt. Gleichwohl wucherte unter seinem Vorgänger (Ferdinand dem Katholischen) und ihm die Saat des spanischen Unglücks schon im Boden. Die langen und blutigen Kämpfe mit den tapferen und hochgebildeten Mauren arbeiteten bereits an der Entvölkerung des Landes, aber sie trugen wenigstens zur Entwickelung des ritterlichen Charakters im Volke bei. In jeder Beziehung verderblich für Spanien wurde dagegen das, was der gesammten alten Welt zum Heil gereichen sollte: die Entdeckung von Amerika. Sie weckte und nährte einen langen Zug neuer unbändiger Leidenschaften. Vor Allem lockte sie Tausende vom Heerde des redlich erwerbenden Fleißes fort, der Drang zum abenteuerlichen Erraffen ungeheuerer Reichthümer leerte, wie eine Seuche, die Werkstätten und die Ackerfluren, das Goldfieber riß in allen Gliedern, – und als endlich in öffentliche und Privatkassen die heißbegehrten Ströme edler Metalle mündeten, erdrückten sie das Edelste jedes Volks: seinen freien Fleiß und damit seine Freiheit selbst. Denn alle Summen, welche in die Hände des Adels und Bürgers aus dem Goldlande direkt flossen, oder durch die Verschwendung von oben nach unten sickerten, fanden im spanischen Volke keinen Boden; sie wurden die Beute der betriebsameren Nachbarn, die den großen Verschwender eifrig bedienten, bis sie ihn „ausgezogen“ hatten; – während das Königthum, mit der Priesterschaft im Bunde, die durch unermeßliche Schätze gehobene und gesicherte Macht benutzen konnte, um Volk und Adel zugleich in Fesseln zu schlagen. Diese Mittel der Gewalt bedurften nur des rechten Arms, und der fand sich: Karls Nachfolger, Philipp II., erhob ihn, und ihm gelang das Werk der Zerstörung. Groß und blühend, mächtig zu Land und See vor allen Staaten Europa’s hatte Philipp im Jahre 1556 das Land geerbt: entvölkert und verarmt, ohne Flotte, ganzer Provinzen beraubt, mit „der Ruhe eines Gottesackers“ – so hinterließ er es. Uebermuth und Herrschsucht, Fanatismus und Goldgier, Armada und Inquisition hatten Das vollbracht.

Den beiden nächsten Philippen (III. und IV.) blieb nur wenig zu verderben übrig, aber auch das gelang ihnen: der Rest der friedlichen und gewerbthätigen Mauren (Morisken) mußte – eine harte Strafe für Spanien – das durch fortwährende Kriege immer ärger verödende Land verlassen, und Portugal ward so lange mißhandelt, bis es sich von Spanien losriß.

Spanien war ruinirt, aber es war eingläubig. Die frommen Könige hatten alles Irdische ihres Volks daran gegeben, um ihm das Himmlische zu sichern, und zum Lohn für diese Himmelsversicherung hatten Könige und Priester alles Irdische der Hunderttausende aus dein Lande Vertriebener, im Autodafé feierlich Verbrannter und in den Kämpfen und Verfolgungen Hingemordeter – an sich gezogen.