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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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jedoch der mächtigste Sporn in dem nicht zu vertilgenden Nationalstolz der Spanier selbst lag, die fast dreijährige Belagerung von Gibraltar (1779–1782) ausgenommen, war Alles, was die Bourbonen in hundert Jahren vollbrachten, eine ununterbrochene Reihe von Erbärmlichkeiten des Hoflebens. Das Ceremoniel wurde bis zur Spitze narrenhafter Abgötterei gesteigert, die sogenannte Regierung des Landes Weibern und deren Subjekten überlassen, die Verarmung des Staats durch alle Mittel der Verschwendung, die Verarmung des Volks durch alle Künste der Aussaugung von Innen und Außen befördert, die große Masse der Barbarei anheim gestellt. Spanien vegetirte nur noch und war nahe daran, in chinesische Stumpfheit zu versinken, – da schlug die Flamme vom brennenden Nachbarhause an Fenster und Thore des Schläfers, die französische Revolution rüttelte das spanische Volk auf aus seiner Lethargie und Napoleon warf mit einem Stoß seiner Faust das spanische Bourbonenhaus um, so leicht, wie ein Knabe sein Kartenhaus.
Häuser fallen leichter, als die Völker. – Nie hat ein Volk, nach so langem entnervendem Druck, sich so groß, so majestätisch erhoben! Als sein eigener König (Karl IV.), nicht aus Freiheitsliebe, sondern aus Furcht vor dem Stärkeren, mit dem Franzosenthum liebäugelte, zwang es ihn zur Abdankung, und als Napoleon den geflüchteten Vater und den nacheilenden Sohn (Ferdinand VII.) zugleich vom Throne stieß, um einen Zweig seines eigenen Stammes auf den leeren Platz zu pflanzen, begann jener weltberühmte Nationalkrieg des ganzen Volks gegen den damals noch nie besiegten Mächtigsten der Erde, bei dem ihm England im eigenen Interesse beistand. Dieser spanische Befreiungskrieg, von den Heldenkämpfen von Saragossa bis zum Siegestag von Vittoria (dem Gegenstande unseres Bildes) bleibt ein ewig grünes Ehrenblatt des spanischen Volks, und es erfocht sich durch denselben das Recht, das Dulden und Schweigen zu brechen, mit welchem es gerade hundert Jahre lang die Bourbonen über sein Schicksal hatte schalten und walten lassen.
Von diesem Recht hatte es den würdigsten Gebrauch gemacht. In dem Königreich ohne König, von Feinden bedrückt und vom Krieg verheert, hatte das Volk, die Waffen des freiwilligen Kämpfers in der Hand, im Jahre 1812 sich eine Verfassung gegeben, die, in großer schwerer Zeit entstanden, das Volk zusammen hielt und mit der Hoffnung auf endliche Errettung aus seiner Noth erfüllte. Um diese „Verfassung von 1812“ schaarten sich die Besten der Nation fort und fort, auch nachdem dieselbe durch die List und Gewalt des heimgekehrten Hofs von der Nationalfahne gestrichen und als Inschrift auf das Banner einer Partei verwiesen worden war. Der Verfassungskampf öffnete das eine Thor, aus welchem seit dem großen spanischen Befreiungskrieg die Stürme über Spanien losbrechen. Damit aber über das arme Land kein Uebel allein komme, that das Haus Bourbon ein zweites auf, das in unseren Tagen Spanien mit Greueln überschüttete, wie Deutschland sie in den gräßlichsten Zeiten des dreißigjährigen Krieges erlebt hat.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 247. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/255&oldid=- (Version vom 22.11.2025)