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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Werfen wir erst einen Blick auf die Regierung Ferdinands VII.; ihr Ende führt uns zum Anfang der eben angedeuteten zweiten Landplage.
Im Jahre der Heimkehr aller von Napoleon abgesetzten Monarchen, 1814, ließ sich auch Ferdinand VII. auf dem vom Volke ihm rein und frei hingestellten Thron nieder. Der Dank des Königs äußerte sich sogleich, ächt bourbonisch, durch Aufhebung der Verfassung von 1812, Wiederherstellung der Inquisition und des Jesuitenordens und Verhaftung und Verfolgung der Männer, welche dem Volke im Kampf gegen die fremden Unterdrücker wie beim Aufbau der Verfassung als treue Führer gedient hatten und die man nun mit dem schwer verdächtigenden und höchst gefährlichen Ehrentitel „Liberale“ bezeichnete. – So war der Nation der Handschuh hingeworfen. Sie nahm ihn auf. – Am 1. Januar 1820 brach der Aufstand aus, die Volkshelden Quiroga und Riego leiteten ihn, und schon am 7. März mußte Ferdinand VII. den feierlichen Eid auf die Konstitution der Cortes von 1812 schwören. – Die neue Regierung konnte, wollte sie die Finanznoth des Staats und den auf dem Volke lastenden Druck zugleich erleichtern, Adel und Geistlichkeit im weichen Sitz ihrer alten Vorrechte nicht ungestört lassen. Dadurch rief sie einen neuen Feind gegen sich in die Schranken; die rasche Aufhebung der Klöster und Majorate genügte, um für den Absolutismus ein neues Heerlager zu gründen: im Dienste der Geistlichkeit und des Adels zog eine sogenannte Glaubensarmee gegen die Anhänger der Konstitution zu Felde (1822). Zweifelsohne wäre auch diesmal der Sieg auf der Seite des Rechts gewesen. Um dieser, damals europäischen Mißliebigkeit zuvor zu kommen, rückte am 7. April 1823 eine französisch-bourbonische Reaktionsarmee über die Bidassoa, und ihr gelang es, weniger mit den Waffen, als durch Bestechungen aller Art, den König, den Adel und die Geistlichkeit von den Unbequemlichkeiten der konstitutionellen Regierung zu befreien. Zum Undank gesellte nun der König den Eidbruch; die beschworene Verfassung erlag abermals dem Fußtritt der unumschränkten Gewalt. Die Reaktionsgesellschaft schwelgte in Rache gegen die „Liberalen“. Quiroga starb im Exil, Riego am Galgen. Es war äußerst lustig bei Hofe.
Auch die Zukunft lachte dem Absolutismus freundlich. Des Königs Bruder und gesetzmäßiger Nachfolger, Don Carlos, war die sichere Stütze desselben und seine Kamarilla umgarnte auch den König. So zappelte dieser im selbst zusammengezogenen Netz, bis er in ein zweites gerieth, das ihn aus dem ersten befreite: er schloß eine vierte Ehe, und zwar mit Marie Christine von Neapel. Dieses Weib beherrscht fortan Spanien. Die Zügel der Hofintriguen in starker und geschickter Hand, entriß sie ihrem Gemahl das Versprechen der Aufhebung des salischen Gesetzes, im Fall sie eine Tochter gebären würde, und als sie diese (Isabella) geboren hatte, entlockte sie ihm ein Testament, in welchem sie während der Minderjährigkeit der Thronfolgerin zur Regentin von Spanien eingesetzt ward. Die Kamarilla des Absolutismus wendete sich nun gegen Ferdinand VII., der endlich 1833 die Augen schloß,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 248. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/256&oldid=- (Version vom 22.11.2025)