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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Lager ihrer Gegner politische Parteien hervortraten und die Kraft der Waffen schwächten. Dies änderte sich plötzlich, als die Ultraliberalen an die Spitze der Christinos kamen. Sie gaben dem verwirrten Treiben eine bestimmte Richtung und dem Haß ein bestimmtes Ziel, jenes geschah durch Einberufung der Cortes von 1812, dieses durch Aufhebung von 900 Mönchsklöstern, gegen welche die Wuth des Pöbels sich in aller Scheußlichkeit austobte. Dies und die Verstärkung der beiden Feindeshaufen durch fremde Hülfe verwandelte den Krieg aus einem menschlichen Kampf in unmenschliches racheseliges Würgen. Das Wort Pardon war schon vom Anfang an gestrichen; von nun an galt es auch für die Wehrlosen nicht mehr. Werfen wir nur einen Blick auf ein einziges Bild aus diesem Krieg! „In Galicien (erzählt ein Augenzeuge) und in der Mancha waren die Truppen der Königin stets den Guerillas überlegen, sie hatten also keinen Grund, ihre Neigungen zu verleugnen, und konnten ohne Furcht und ohne Rücksicht ihr Schreckenssystem auf den höchsten Grad treiben. Da wurde jeder Gefangene und carlistisch Gesinnte erschossen, ihre Angehörigen mit Schimpf vertrieben, die der Anführer nach langen Qualen ohne Gnade hingemordet; da starben die 39 Verwandten des Hauptchefs in der Mancha, Don Vicente Rojero-Pajillos, getödtet ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, die Frauen bis zum letzten Augenblick zur Befriedigung viehischer Lust benutzt, – das ungeborene Kind ward der zu Tode geschändeten Mutter, der Enkelin Pajillos, aus dem Leibe gerissen und – füsilirt, um keine Spur vom Leben des Geschlechts zurück zu lassen! Gefangene Chefs wurden in Galicien geviertheilt, die zuckenden Glieder als Trophäen über die Stadtthore ausgesteckt!“ – Das ist kein Bild von 1635, sondern von 1835, und nicht aus dem Kaffernland, sondern aus dem christlichen Staate ihrer katholischen Majestät. Das Bild hat carlistische Färbung, das ist wahr; aber eben so wahr ist es, daß die Rache der Sieger im Volkskrieg keine Grenzen kennt, wenn diese Sieger zugleich die vorher herrschenden waren. Davon kann manche Waise ein trauriges Lied singen.
Während das Glück der Waffen zwischen den Parteien hin- und herschwankte, bald diese, bald jene begünstigend, während der Charakter des Kriegs derselbe blieb, kühne Streifzüge, Ueberrumpelungen, einzelne Belagerungen (Bilbao und Segovia), Eroberungen und Entsetzungen, viele Gefechte und noch mehr Metzeleien, Vertreibungen und Hinrichtungen Land und Leben verödeten, gingen in beiden Feindeslagern Veränderungen vor, die den Sturz der beiden Parteihäupter, des Don Carlos und Christinens, herbeiführten. Bei den Christinos standen sich die beiden Parteien der Exaltados und der Moderados (nach deutschen Begriffen: „Gesinnungstüchtige“ und „Gutgesinnte“) schroff gegenüber. Durch die Militärrevolte von la Granja hatten die Ersteren gesiegt. Bald ermuthigte ein Lächeln des Glücks die Königin, und rasch erhoben, von ihr begünstigt, die Moderados wieder das Haupt und führten die durch ihren Einfluß abgeschwächte Verfassung von 1837 durch; Espartero aber war der glückliche Feldherr der Christinos und die Hoffnung Aller, die sich nach Frieden sehnten. – Im Hoflager des Don Carlos arbeitete die alte absolutistische Kreuzspinne, Kamarilla genannt, an einem neuen Netz, das bald die Thätigkeit der besten Heerführer lähmte
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 250. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/258&oldid=- (Version vom 22.11.2025)