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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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diesen Tagen (in Folge der letzten Revolution) im Inneren Spaniens „internirt“ worden sind. Die 12,000 Einwohner Vittoria’s sind auch in industrieller Beziehung regsam. Ihre Gerbereien, ihre Fabriken für Tafelzeuch, Töpferwaaren, Eisen- und Kupferwaaren beschäftigen viele Hände, und ihr Handel mit Wein (dem berühmten Chacoli), Wolle, Tuch, Pferden, Mauleseln und Rindvieh hat sich durch alle Kriegsübel nicht ganz darniederschlagen lassen. Dies Alles verschafft der Stadt jene Wohlhabenheit, die sich schon im Aeußeren zeigt, mit der sie sogar für Pflege von Kunst und Wissenschaft Einiges thut, indem sie eine Zeichenschule und ein Münz- und Antikenkabinet erhält, und mit der sie für Anstalten der Wohlthätigkeit (Waisenhaus und Spitäler) sorgt. Hauptsächlich zeigt sie sich aber in den großen Opfern, die sie der unbändigen Schaulust des Volks bringt. Auf dem neuen Markt werden jeden Sommer drei bis vier Stiergefechte gehalten, deren jedes 6–7000 Piaster (ungefähr 15,000–17,500 Gulden rhn.) verschlingt. Außerdem unterhält die Stadt ein stehendes Theater. Vittoria’s Lieblingsstätte ist aber der Prado, eine große von Bäumen beschattete Wiese, auf welcher die immer fröhliche Jugend ihr Spiel treibt und das Alter sich am Zusehen erquickt. Jeder Sonntagnachmittag sieht hier ein immer neues Volksfest in uralter Weise. Die Bärentrommel und die Pickelflöte genügen dem Völkchen zum lustigsten Tanz und die halbe Bevölkerung der Stadt wimmelt da durcheinander. Auch die Märkte ziehen nicht ohne ihr langes Gefolge von Lustbarkeiten vorüber. Vittoria liegt in der Mitte einer reichen herrlichen Ebene, die ringsum in einer Entfernung von drei bis vier Stunden mit einem Kranze von grünen Hügeln und blauen Gebirgsrücken eingefaßt ist. Aus den Thälern und von den Bergen herab winden sich die langen bunten Züge durch die lachende Ebene zum Markte, und das Schönste von Allem, was da kommt, sind natürlich die Töchter des Landes in ihrer malerischen Tracht. Wie bei allen romanischen Nationen sind auch hier die Frauen des Volks ein tapferes, charaktervolles Geschlecht, auf dessen Tüchtigkeit, Feuer und Thatkraft kein geringer Theil der Hoffnungen der Zukunft ruht. Und weil sicher unter denen, die da zum Markte wallen, manche Schöne ist, die in ernsten Tagen keinem „Mädchen von Saragossa“ nachsteht, so schließen wir, ihnen zu Ehren, mit einem jener glühenden Volksliedchen, in denen der Baske seine Huldigung darbringt und das zugleich die Marktzeit in Vittoria verherrlicht.
Kommt der blühende April,
Füllen sich die Rebenhügel
Von Vittoria mit den Schaaren,
Die zu seinem Markte wallen.
Seinen blonden Sand bedecken
Tausend Stuten, tausend Füllen.
Wilde Stiere heerdenweise
Ziehn herbei. Doch unvergleichbar
Ist die Tochter des Gebirgs:
Zierlich, lustig, stolzen Hauptes,
Rauschend licht von Gold und Fransen,
Kommt sie auf den Markt am Morgen.
Klein der Fuß, ein Baskenfüßchen,
Und das Aug’ ein ganzer Baske,
Und der Blick ein rascher Mörder,
Schwarze Nacht und strahlend Licht;
Wo er trifft, der sichre Schütze,
Liegt ein Todter, steht ein Kreuz!
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 254. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/262&oldid=- (Version vom 22.11.2025)