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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Zone der Erde, alle Kanäle des Reichthums der bezwungenen Länder ergossen sich vor dem Thron entarteter Königsgeschlechter, Mark und Blut der unterjochten Nationen wurden in den Palästen von Niniveh und Babylon in unerdenklicher Lust und Pracht vergeudet, bis endlich eine Empörung der mißhandelten Völker den morschen Thron in Trümmer brach. Damals ging die Vergeltung in der Geschichte gar langsamen Schritts; die Empires unserer Zeit wachsen auf magererem Boden und können ihre Lebensdauer wenigstens nicht nach Menschenaltern rechnen. – Das assyrische Herrscherreich schloß mit Sardanapal, der sein ganzes Leben als Weib verkleidet und unter weibischen Belustigungen verbracht; als die Feinde in die Stadt drangen, bestieg er einen Scheiterhaufen und verbrannte sich sammt seinen Schätzen, Weibern und Verschnittenen. Das prächtige Niniveh wurde zerstört. Die Stürme der Jahrhunderte fegten über die Stätte, und von der Riesenstadt, von dem Volke, das da gehaust, von der Civilisation, die hier geblüht hatte, schwand jegliche Spur von hinnen.
Auf wunderbare Weise hat die allerjüngste Zeit das Dunkel, das auf der Geschichte jener grauen Vorzeit ruht, vielfach erhellt. Dies geschah durch die Aufdeckung der Ruinen von Niniveh. Gleich dem Geologen, der im Gestein die Geschichte der Erde liest und aus ihren Runen die Bilder früherer Schöpfungsperioden entwirft, haben Alterthumsforscher den Boden der alten Königsstadt durchwühlt und vergegenwärtigen aus den gefundenen Ueberresten den Zustand einer Jahrtausende alten Kultur.
Das hauptsächlichste Verdienst um diese Entdeckung gebührt dem Engländer Layard; sein Name ist unzertrennlich mit dem neuerstandenen Niniveh verbunden. Dieser kühne und kenntnißreiche Mann, der seit seiner Jugend den Orient bereist hatte, kam zu Anfang der vierziger Jahre auch nach Mossul. Immer fühlte er, wie er selbst sagt, einen unwiderstehlichen Drang, in die Gegenden jenseit des Euphrat vorzudringen, welche von der Geschichte und Sage als die Wiege der Weisheit des Westens bezeichnet werden.
In der Umgegend der Stadt Mossul erheben sich zahlreiche künstliche Hügel und bilden auf dem linken Ufer des Tigris eine Art Halbkreis. Diese seltsam geformten Anhöhen, oft 700–800 Fuß im Umfang haltend, im Frühling mit der üppigsten Vegetation des Südens bekleidet, im Sommer verbrannt und kahl, erregten Layards Aufmerksamkeit; unter ihnen ahnte seine Phantasie die verschütteten Herrlichkeiten einer großen Vorzeit. Seine Ansicht fand Bestätigung, als um dieselbe Zeit (1843) der französische Konsul Botta in einem benachbarten Dorfe Khorsabad Nachgrabungen veranstaltete und bedeutende Entdeckungen machte. Jetzt ließ es Layard keine Ruhe mehr. Etwa 2 Meilen im Süden der Stadt, am Ende eines einsamen Höhenzugs, ragt in Pyramidenform ein Hügel auf; unten zieht der Tigris vorüber. Diesen Ort, im Land der Nimrod-Hügel geheißen, ersah sich Layard aus, und hier begann er mit einigen Arbeitern seine Nachforschungen.
Der glänzendste Erfolg hat im Lauf der Jahre seine Bemühungen gekrönt. Aber man muß von den
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 258. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/266&oldid=- (Version vom 22.11.2025)