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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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wehen und die leichtgebauten Wohnungen und Zelte mitnehmen, sucht alles Leben, bei verdunkelter Luft halb erstickt und geblendet, in den Laufgräben der Ausgrabung Schutz.
Wenn man die Hügel ersteigt, erzählt Layard, sieht man noch lange nichts von einem Gebäude. Aber wildaussehende Wesen mit fliegenden Haaren in kurzem Hemd, Possen reißend, Alle wie Verrückte hin- und herlaufend, tauchen aus der Tiefe auf. Es sind die arabischen Arbeiter, die den Schutt aus den Gräben tragen, jeder mit seinem Korb, den er am Rand des Hügels in einer Staubwolke ausleert, um dann tanzend und schreiend, den Korb über den Kopf schwingend, wieder zu verschwinden. Im großen Laufgraben steht vielleicht ein Beduinenscheik der Wüste mit seinem Gefolge, den das Gerücht von den Wundern dieses Berges herbeigezogen. Sie führen die lange Lanze, oben mit dem Straußfederbüschel und hinter sich ihre Stute. Zwischen zwei riesenhaften geflügelten Löwen, die ein Portal bilden, steigt man hinab in die Gräben, wo die Chaldäer arbeiten mit der Hacke im dicken Staub. Es sind die stärkeren Gebirgsbewohner, nestorianische Griechen, aus dem kurdischen Gebirg, dessen schneebedeckte Höhen in weiter Ferne sichtbar sind; sie tragen kegelförmige Filzmützen und gestreifte Anzüge. Kurdische Musik wird laut in irgend einer Ecke, und wenn sie die umherlaufenden Araber hören, stimmen sie ihr Kriegsgeschrei an und arbeiten mit verdoppeltem Eifer.
Als zuerst der ungeheure Kopf eines der großen menschenköpfigen Löwen zum Vorschein kam, mannshoch, vollruhiger Majestät, mit feingeflochtenem Bart und in eine hohe Mütze gekleideten Hörnern, warfen die Araber ihre Körbe weg, liefen nachdem entfernten Mossul, und riefen durch die Bazars: Nimrod sey erschienen! Sogleich bildete sich eine Prozession zum Pascha und protestirte gegen Unternehmungen, welche so arg gegen die Gesetze des Koran verstießen. Ein Beduinenschwarm, der auf die Nachricht herbeigesprengt war, trieb die Arbeiter hinweg mit dem Geschrei: Es ist kein Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet. Der Scheik entschloß sich endlich, hinabzusteigen, und gab sein Urtheil ab: „Das ist kein Werk von Menschenhänden, sondern von jenen ungläubigen Riesen, von welchen der Prophet, Friede sey mit ihm! gesagt hat, daß sie größer wären, als die größten Dattelbäume; das ist eines der Götzenbilder, welche Noah, Friede sey mit ihm! vor der Sündfluth verfluchte!“ In dieser Meinung, welche das Ergebniß einer sorgfältigen Untersuchung war, sagt Layard, stimmten alle Umstehenden überein. – Ist es ein Wunder, wenn diese kolossalen Bildwerke noch heute imponiren? Auch die alten Hebräer haben diese Formen geheiligt, diese Zusammensetzung aus den gewaltigsten Geschöpfen der Erde, Menschenhaupt, Stier- oder Löwenleib mit Adlerflügeln, und haben sie als Cherubim zu Wächtern des Paradieses, zu Trägern von Gottes Thron, zu Hütern der Bundeslade im Allerheiligsten des Tempels gemacht!
Von größter Bedeutung für die Kenntniß des Kulturzustandes jenes alten merkwürdigen Volkes sind die Basreliefs, welche die Wände der meisten Paläste in Unzahl überdecken. Es sind Darstellungen der verschiedensten
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 260. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/268&oldid=- (Version vom 22.11.2025)