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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Die Nachgrabungen wurden in den letzten Jahren von englischer wie von französischer Seite mit Wetteifer fortgesetzt. Mehr als 30 neue Hügel hat man bereits durchsucht und immer neue Reichthümer der Skulptur und Baukunst an’s Licht gebracht. Nicht mehr auf vereinzelte Denkmäler richtet sich die Aufmerksamkeit, sondern auf eine ganze Stadt, deren Plan sich allgemach entschleiert, auf ein ganzes System von Architektur, das den mannigfachsten Zwecken, der kriegerischen Vertheidigung, der Verzierung der Paläste und der Verschönerung einer ungeheueren Häusermasse diente. Schon ist man der Mauer der Stadt auf die Spur gekommen, und hat eines der alten Riesenthore, in wunderbar erhaltenem Zustande, bloßgelegt, und so wird, wie Pompeji und Herkulanum, auch Niniveh, die biblische Stadt, dem Grabe entsteigen, in dem sie Jahrtausende lang verschüttet lag.
An den Ufern des Mississippi geht eine uralte Indianersage: In dem Dorfe der Dakotahs, Wa-ba-scha, lebte ein schönes Mädchen, genannt Wee-no-nah, d. i. die „Erstgeborne“. Sie war von frühester Jugend auf der Liebling ihrer Familie und der Abgott des Dorfes. Die tapferen Söhne ihres Stammes suchten durch kühne Thaten ihre Theilnahme zu gewinnen; schmucke Jäger brachten die ausgesuchteste Beute in die Hütte ihres Vaters. Ein junger Indianer, von anmuthiger Gestalt und ein geschickter Jäger, erregte ihre Aufmerksamkeit. Er gab ihr Zeichen einer glühenden Liebe, fand Erwiederung und nach mehrmaligen Zusammenkünften wechselten sie die Pfänder eines Bundes, in dem sich alle ihre Hoffnungen vereinigten.
Allein Indianer-Heirathen sind weniger das Resultat persönlicher Zuneigung und der Wahl der Betheiligten, als Sache der kalten berechnenden Politik und der elterlichen Autorität. So schwach in mancher Rücksicht das Ansehen eines Häuptlings unter einem Indianerstamme seyn mag, so groß ist die väterliche Gewalt in der Familie; sie wird mit so unnachsichtlicher Strenge geübt, daß ihrer Macht zu entrinnen, nur selten versucht wird, noch seltener gelingt. Te-os-ca-te, „der lauernde Panther“, ihr Geliebter, fand einen
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 262. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/270&oldid=- (Version vom 22.11.2025)