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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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gefährlichen Nebenbuhler in Muck-wah, dem „Bären“. Dies war ein Häuptling, dreimal so alt als das Mädchen, von rauhen Sitten, blutdürstig, grausam und rachsüchtig von Charakter, und bereits Gatte von zwei Weibern. Der alte Bär war aber ein angesehener und tapferer Krieger. Er verdankte sein Ansehen den Heldenthaten, die er im Kampfe seines Volkes gegen die Chippeways vollbracht hatte und konnte mehr Chippeway-Skalpe aufweisen, als irgend ein Indianer seines Stammes. Dieser warb um Wee-no-nah, als um sein drittes Weib. Er beabsichtigte dadurch, daß er ihre Eltern, Brüder und ihre weitverzweigte Familie an sein Interesse knüpfte, seine eigene Stellung zu sichern und einflußreicher zu machen. Der Vater und die Brüder Wee-no-nahs begünstigten seinen Antrag, der, abgesehen von der Verbindung des Mädchens mit dem jungen Jäger Te-os-ca-te, der Indianerin Gefühl tief verletzte und alle ihre Hoffnungen auf Glück zertrümmerte. In geziemenden Worten machte sie Einwendungen gegen diese rücksichtslose Verfügung über ihre Person, setzte allen Anträgen des Kriegers entschiedene Weigerung entgegen und bestand auf ihrem Entschluß, Te-os-ca-te zu heirathen. „Thorheit!“ erklärte der Vater, „soll man der Laune einer albernen Dirne nachgeben, die einen jungen Jäger einem großen Krieger vorzieht?“ Die Häuptlinge hielten Rath und Te-os-ca-te wurde gezwungen, das Dorf zu verlassen. Er schied mit der Hoffnung, daß seine Abwesenheit der Geliebten, auf deren Treue sein ganzes Vertrauen stand, einige Ruhe verschaffen werde.
Um die nämliche Zeit und während der Abwesenheit Te-os-ca-te’s fuhr ein Trupp Indianer vom Wa-ba-scha-Dorfe den Fluß hinauf nach dem Pepin-See, um von dem blauen Thon zu holen, der an seinen Ufern gefunden wird und mit welchem die Indianer bei festlichen Gelegenheiten ihren Körper malen. Auch Wee-no-nah und ihre Sippschaft waren unter der Gesellschaft. Auf einem ebenen Platze zur Rechten des großen Felsens lagerte man. Dies geschah nach Verabredung mit Muck-wah, der an diesem Orte zu ihnen stoßen wollte, um bei der Gelegenheit die Hochzeitsgaben seiner Schönen darzubieten. Des Abends, nachdem sie sich zurückgezogen, trat Muck-wah in ihre Hütte, in der Hand die brennende Fackel, die, wenn der Kommende angenehm, das Mädchen auszulöschen pflegt. Allein fest in ihrem Vorsatze, und entschlossen, eher den Tod zu leiden, als die Treue gegen Te-os-ca-te zu brechen, hüllt sie das Gesicht in ihr Gewand und schreit laut Abscheu und Entrüstung. Das war zu erniedrigend für den stolzen Krieger, und von Zorn erfüllt schwur er, sie mit Gewalt sein eigen zu machen.
Von Neuem machte ihr der Vater ernste und eindringliche Vorstellungen und sprach schwere Drohungen aus, um sie zum Gehorsam zu bringen. Mutter, Brüder, die ganze Familie verbanden sich mit ihm. Da gab Wee-no-nah endlich ihre letzte Erklärung. „Ist es denn euer grausamer Wille,“ sprach sie, „gut, so mag es seyn! Bald aber werdet ihr keine Tochter mehr haben, die euch liebe oder fürchte, und keine Schwester, die ihr quälen könnt mit heuchlerischen Versicherungen eurer Liebe.“ Die Hochzeit mit Muck-wah, dem Krieger, wurde noch auf den nämlichen Tag festgesetzt.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 265. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/273&oldid=- (Version vom 22.11.2025)