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Muck-wah, nach Rache lechzend, war dem Mörder unablässig auf der Spur. Oefters waren seine „Zeichen“ zu sehen, aber ihn selbst vermochte er mit aller List und Kühnheit nicht zu entdecken. Einstmals ging er mit dem letzten noch übrigen Bruder Wee-no-nah’s durch ein dichtes Gehölz in der Nähe ihres Hauses. Muck-wah’s stets wachsames Auge spähte lauernd umher, als der Jüngling an seiner Seite plötzlich aufschreit und zu Boden sinkt. Ein Pfeil hatte sein Herz durchbohrt, er starb augenblicklich.

Voll grenzenloser Wuth durchstreifte Muck-wah jetzt mit einigen seiner Genossen die Jagdgründe der Chippeways, seinem Feinde zu begegnen, aber ohne Erfolg. Er war lange abwesend, verfolgte die Spuren Te-os-ca-te’s bis an die Gewässer des oberen Sees und von da weiter bis an den Crow-wing-River, und kehrte endlich, des erfolglosen Jagens müde, auf einem Canoe, den Mississippi hinab, in die Heimath zurück. Auf diesem Wege war er eines Abends am Pepin-See angelangt, an dessen westlicher Küste er eine Schlucht zum Nachtlager erkor. Der Ort lag just der Stelle gegenüber, wo Wee-no-nah den Tod gefunden. Die Sonne war hinabgesunken, und Muck-wah erklomm eine Felsenwand, um die Gegend auszukundschaften. Wenige Augenblicke stand er und spähete über die weite wogende Prärie: da plötzlich fühlt er sich von einem Paar nervigen Fäusten gepackt. Das Zeichen des lauernden Panthers starrt ihm in’s Antlitz. „Muck-wah, kennst du die verhängnißvolle Klippe dort über dem See? Wee-no-nah’s Grab? Jetzt will ich sie rächen!“ – Es war Te-os-ca-te.

Sie rangen Beide – sie rangen auf Tod und Leben; aber bald war der furchtbare Zweikampf entschieden. Te-os-ca-te, der Stärkere, zog seinen Feind, der ihn fest umschlungen hielt, bis an den Rand des Felsens, mit verzweiflungsvoller Anstrengung preßte er ihn den jähen Abhang hinab. Ein vorstehender Felsblock hemmte für einen Augenblick ihren Sturz – dann folgte ein dumpfer Fall und Beide verschwanden in den Wellen des Pepin-Sees.

Kein Dakotah zieht an dieser Stelle in seinem Canoe vorüber, ohne seine Blicke zu der schwindlichen Höhe des Maiden-Rock zu werfen und dem Geiste des Felsens seine Huldigung darzubringen. Zuweilen, wenn die Schatten der Dämmerung sich um den Gipfel lagern, sieht man die schöne Gestalt Wee-no-nah’s einsam droben stehen, und ihr Todtenlied trägt der Abendhauch heran zu des Indianers Ohr. –

Der Sang dieser Sage ist der einzige, der aus den verklungenen Zeiten herüber tönt, da noch der rothe Mann sein Schlachtroß aus den gelben Fluthen des Mississippi tränkte. Die Civilisation unserer Tage mit ihrem Materialismus, ihren Dampfbooten und Eisenbahnen, ihren Zollhäusern und Börsen, ihren Zeitungen und Druckerpressen, mit ihren spekulirenden und intriguirenden, hab- und geldsüchtigen Menschen verrichtet auch da, wie überall, das Todtengräber-Amt an Poesie und Romantik. Vor ihr sind die Erb-Insassen des Landes von ihrer heimathlichen Stätte geflohen, der Indianergesang ist verstummt vor dem Klappern der Mühlen und dem Rasseln der Maschinen, die Pfade, die das Elk und der Jäger gemeinsam gingen, haben sich verwandelt in Schienenwege und Heerstraßen des Handels, die Furchen der schwanken Canoes auf dem Spiegel des Pepin werden umgewühlt von