Seite:Meyers Universum 17. Band 1856.djvu/276

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

den Schaufeln der Dampfboote, Telegraphendrähte durchweben die Luft und wo der rothe Krieger sich an dem Feuer seines Whigwams wärmte und die Squaw an den Mocassins ihres Buhlen gerbte, wachsen jetzt die rothen Ziegel-Städte, rechnen die Männer an ihren Dollars und studiren die Frauen über pariser Modebildern. Der Dichter trauert über den Wechsel, über den Untergang eines kräftigen Geschlechts, über das Erschlaffen einer wilden Natur, über den Verfall eines Heldenthums: der Menschenfreund aber wünscht der Civilisation Glück, daß sie die Rohheit von jener Stätte verdrängt, daß sie dem Streben nach Wohlfahrt, Freiheit und Genuß neue Bahnen bricht und mit ihren milderen Formen, ihren mannichfaltigen Interessen, verfeinerten Bedürfnissen und vielseitigen Zwecken auch die höhere Gesittung und Entwickelung des Menschenthums nach entfernteren Zonen trägt. Ist doch jeder Dampfbootheizer und Maschinenarbeiter, jeder Blockhäusler und Holzschläger des Westens, jeder Waarenballen und jede rauchende Esse ein Bote und Träger neuer Ideen, die den Fortschritt der Welt bedingen und mit denen sie die Wildniß besiedeln, obwohl gerade das Menschenglück nicht immer desselben Weges zieht – und Elend, Verderbtheit, Korruption und Lüge ihnen im Gefolge gehen. Sind die Motive auch oft niedere Gewinnsucht und barer Eigennutz und die Mittel grausam und unredlich, das endliche Ziel ist gut und edel und der Opfer werth, denn es ist die Propaganda der Humanität.

Das Wasserbassin des Pepin, dem fälschlich die Bezeichnung eines Sees beigegeben worden, ist eine weite Ausbuchtung des Mississippi, beim Einfluß des St. Croix. Seine Ufer bilden ein Amphitheater von Felsen und Klippen der groteskesten Formen; am bekanntesten darunter und hervorragendsten durch seine schöne Lage ist der Maiden-Rock, dieses Riesendenkmal auf dem Grabfeld der amerikanischen Romantik.




DCCCI. Der Palast Lazienki in Warschau.




Ein helles Schloß auf klarem See, beide noch nicht hundert Jahre alt, aber das dunkle Auge der Geschichte blickt auch da hervor, aus dem spielenden Wasser, aus den Spiegelfenstern der Prachtsäle und aus dem Schatten der Bäume des Parks, wo Venus Amathusia und Jupiter tonans im Winter mit Schnee bedeckt sind, so daß sie noch im Sommer kalt darein schauen.

Da, wo die Kinder spielen mit den Schwänen im See und wo die modernen Herren auf den Granitplatten einherstolziren, wandelten einst zwei Könige ohne Land, und mancher trübe Strahl aus ihren Augen mag in den kleinen Wellen zergangen seyn. Auch sie waren klein, alle Beide, nur ihr Geschick ging auf hohen Wogen.