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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Wenn noch im vorigen Jahrhundert im civilisirtesten Lande ein Topf von verschlossenem Dampf zersprengt wurde, so fuhr in die Menschen der Schrecken vor einer geheimnißvollen Macht, der Aberglaube bevölkerte Küche und Herd mit schadenfrohen Spukgestalten, der Irrwahn wälzte die Ursache des unerklärten Vorfalls als schwere Schuld auf Schuldlose, und es gab eine Zeit, wo es ein seltenes Glück war, wenn nicht das Hexengericht diesen Schuldlosen durch den Tod im Feuer Das büßen ließ, was das Feuer so einfach bewirkt hatte. Das waren die Sünden der „alten Naturgeschichte,“ in deren Finsterniß Wahn und Lüge in tausend Formen wuchern konnten zum unsäglichen Unheil der Menschen. So blieb es gar lange Zeit, nur langsam weicht die Nacht aus den Köpfen der Menge, wie hell auch einzelne hervorragende Häupter ihr leuchten mögen; die Firnen glänzen lange im Morgenroth, wenn die Thäler und Schluchten noch tiefes Dunkel deckt. Die siegreichsten Feldzüge des Lichtes der neueren Naturforschung in das weiland wichtigste Gebiet des Irrthums und des Betrugs gehören der Gegenwart an. Der menschliche Geist ist auf dem Wege tausendfältiger Beobachtungen dem offenbarsten Geheimniß der Natur auf die Spur gekommen: auch in der Natur ist das Oberste das Gesetz, und so streng ist die gesetzliche Ordnung in ihrem Reiche, daß die kleinen Menschen, die zu Hunderten von Millionen auf dem Erdkörper durcheinander wimmeln und von denen Hunderte von Millionen entstehen und vergehen, ohne eine andere Spur auf Erden zu hinterlassen, als die thierische der Verwesung, daß diese kleinen Menschen durch ihre Erkundung und Anwendung der unabänderlichen Naturgesetze mit ihren schwachen Händen die ungeheuersten Naturkräfte beherrschen, bändigen und in ihren Dienst zwingen, fester, wie der beste Reiter sein Roß, ja sicherer, wie der sicherste Schütze sein eigenes Auge. Die Erforschung der Naturgesetze hat den Menschen befreit und befreit ihn noch täglich aus tausend Schlingen des Wahns und der Lüge, die erst unmöglich geworden sind, seitdem keine Erscheinung in der Natur mehr aus einem unerkannten Zusammenhang unerklärlich hervortritt, sondern für jede Erscheinung das durch neue Hülfsmittel täglich verschärftem Auge der Naturkundigen die Ursachen erforscht und den Wirkungen ihre einst sinnbethörende Gewalt nimmt, ja letztere nicht selten hemmt, zügelt und unschädlich oder gar dem Willen des Menschen dienstbar macht. Der Zusammenhang der Erscheinungen ist gefunden, das Gesetz der Wechselwirkung der Naturkräfte entdeckt, die
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 279. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/287&oldid=- (Version vom 22.11.2025)