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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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wahre Natur der irdischen Dinge um uns her offenbart, und schon durch den Sieg dieser Wahrheit unsägliches Heil über die Menschheit verbreitet, das Ziel ihrer Bestimmung erhöht, der Weg dahin neu ausgesteckt worden.
Das Licht nämlich, welches in die Fugen, Ritzen und Spalten, in das Geäder und Geräder des Weltenbaues drang, um in den geheimsten Werkstätten der Natur die Gesetze zu erspähen, nach welchen dort gearbeitet wird, das Licht, welches dadurch auf die über Alles wunderbare Ordnung und Bestimmtheit in allen Dingen fiel, die die Natur allein verrichtet, mußte einen breiten Schimmer werfen auch auf das Thun und Treiben der Menschen in Dem, was sie das Reich des Geistes nennen, und das sie lange Zeit dem der Natur nicht ohne starkes Selbstgefühl gegenüberstellten. Da konnte denn guten und ehrlichen Augen der Kontrast nicht entgehen, der zwischen den Gesetzen beider Reiche seit Jahrhunderten und in wechselnder Größe besteht; da erkannten solche Augen bei fortgesetzten vergleichenden Studien, daß, je mehr im Laufe der Zeiten die menschlichen Einrichtungen sich entfernten von der von der Natur befolgten Ordnung, und je weniger die Menschen in dem Gesetzbuch lasen, das von der Hand des Schöpfers geschrieben ist, verständlich und faßbar für die Kinder jeder Zunge auf Erden, in dem alle Zeit aufgeschlagenen Buche der Natur – desto weiter ab vom Ziel der Menschheit die Geschlechter wichen und desto leichter es dem Irrthum oder der bösen Absicht wurde, ganzen Generationen, ganzen Völkern falsche Ziele vorzustecken und sie so lange auf falschen Wegen zu führen, bis sie am Rand des Verderbens den letzten Schritt thaten. Das ist die Geschichte des Untergangs nicht nur einzelner Staaten und Völker, sondern Tausender von Individuen, deren Unglück man einzig und allein – eben dem Unglück zuzuschreiben pflegt. Aber nicht bloß das Leben im Staate, und im Hause litt unter der Sünde des Abfalls von der Natur, sondern das gleich des Geistes selbst brächte nur verzerrte Gestalten, verkrüppelte Kinder in’s Daseyn, und zwar in allen Richtungen und in allen Kreisen, die der herrschenden Verachtung der Natur und ihrer Gesetze am meisten huldigten. Es liegt wohl am nächsten, hier an die Tage der Allongeperücken und Reifröcke zu erinnern; noch heute füllen die Denkmäler der Wissenschaft jener Zeit große Räume der Bibliotheken aus, die Denkmäler der Kunst in der Blüthenperiode des Zopfs präsentiren sich uns noch in manchem alten Garten und von denen der Baukunst werden noch lange ganze Ortschaften, ja ganze Landschaften verunziert. In so engem Zusammenhang stehen die verschiedensten Richtungen des Geisteslebens einer Zeit, daß Krankhaftes an diesem sich allen jenen mittheilt und ein Abirren von der Wahrheit der Natur im Allgemeinen sich nach allen Seiten hin durch Verzerrtheiten offenbart, wenn auch in einzelnen Köpfen oder Klassen Natur und Wahrheit ihre treuen Pfleger längst wieder gefunden haben sollten. Und Letzteres war in dieser auch in politischer Beziehung namentlich für Deutschland so traurigen Zeit bereits der Fall. Denn während die Kluft zwischen den Gesetzen der Natur und denen der menschlichen Gesellschaft so tief war, daß Thomasius gegen die von der Theologie und Jurisprudenz jener Tage mit gemeinsamem Eifer betriebenen Hexenprozesse schreiben und sprechen mußte, während Fürsten, Adel und Gelehrte sich sprachlich ganz von dem Volke getrennt hatten, das jene regieren, diese belehren
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 280. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/288&oldid=- (Version vom 22.11.2025)