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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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natürliche Prozesse, die man sonst als bloße Thatsachen hinzunehmen gewohnt war, und ihre Forschungen können den beruhigenden und erhebenden Satz an der Stirn tragen, daß die waltende Hand der Geschichte die Grundsteine neuer Bildungen lege auch da, wo das menschliche Auge nur Verwirrungen erkennt. – Die Blicke, die uns eine solche Geschichtsauffassung in die Vergangenheit und Gegenwart thun läßt und selbst in die Zukunft eröffnet, wirken durch ihre Ruhe und Sicherheit wohlthätig auf den Geist, den sie mit Klarheit, und auf das Herz, das sie mit Zuversicht in den Lauf der Dinge erfüllen. Und einem Führer auf solcher Höhe folgen wir heute zur Betrachtung des Gegenstandes, welchen die beiden Stahlplatten uns vorlegen; unser Führer ist L. Stein, der Professor, welchen der Dänenkönig vom deutschen Lehrstuhl zu Kiel vertrieb und den jetzt Oesterreich als einen Ebenbürtigen an der Seite seines größten Nationalökonomen sieht.
Um das Naturgemäße des jüngsten europäischen Kampfes zu verstehen, müssen wir uns die „organische Gesammtgestaltung Europa’s“ nach Steins Aufbau vor Augen stellen. Er sagt: So lange es eine Geographie in Verbindung mit der Geschichte gibt, so lange hat der menschliche Geist mit mehr oder weniger Klarheit erkannt, daß die Gestalt Europa’s ein wesentlicher Faktor seiner Geschichte ist. Und so wenig Dinge sind so wichtig für das Verständniß des Ganzen und so belehrend oft in dem Einzelsten, als das Studium dieser geographischen Gestalt des europäischen Körpers. – Wirft man einen Blick auf die Karte von Europa, so scheiden sich unter den Ländern, welche diesen Kontinent bilden, drei Gruppen ab, die in doppelter Hinsicht einen eigenthümlichen Charakter haben. Sie sind, jede für sich, theils in sich eigen geartet, theils auch nach Außen mit eigenthümlichen Verhältnissen umgeben. Die erste dieser Gruppen ist gebildet durch den Westen Europa’s: England, Frankreich und Spanien, drei Länder, reich an Naturschätzen, an Elementen des Handels, an geschichtlicher Bedeutung, bilden das große Dreieck, mit welchem Europa in das atlantische Meer hineingreift. Die Natur selbst hat sie darauf angewiesen, das große Verbindungsglied Europa’s und seiner Geschichte mit dem Westen der Welt zu seyn. Spanien, als das südlichste, gehört all den Linien an, welche sich von Europa aus dem Aequator zuwenden. Es muß sich gar kein Ziel, oder es muß sich die südlichen und westlichen Theile der Erde als Ziel setzen. In diesen Richtungen hat Spanien unendlich Großes für Europa geleistet: von den Häfen der iberischen Halbinsel aus gingen die Entdecker Amerika’s, die Entdecker des Kaps der guten Hoffnung, die Eroberung Mexiko’s, Peru’s, Chili’s, die Verbindung Brasiliens mit Europa, ja selbst die erste Verbindung Ostindiens mit unserer Civilisation. Das war die naturgemäße Aufgabe jenes Landes; gegen das europäische Festland schneiden es die Pyrenäen mit scharfen Linien ab. Als es dieses natürliche Verhältniß brechen, als es seine Macht auf Länder jenseits der Grenzen seiner östlichen Gebirge ausdehnen wollte, büßte es die Kraft ein, seine Besitzungen jenseits seiner westlichen Meere zu behalten: da begann sein Verfall, und
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 283. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/291&oldid=- (Version vom 23.11.2025)