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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Das fünfzehnte Jahrhundert ist die Zeit, wo sich die Geschichte im Süden wendet, wie das sechszehnte der Beginn der Umgestaltung des Nordens wird. Zwei Dinge wirkten hier entscheidend. Zuerst brach vor dem Stoß der Türken das griechische Reich zusammen, und von nun an war die zweite, größte und wichtigste Hälfte des südlichen Gebiets von Mitteleuropa von demselben abgerissen und stand als ein Theil der Geschichte Asiens da. Das ist geschehen, weil die große Aufgabe Europa’s dem Osten gegenüber ein Paar Städten und nicht einem Reiche, dessen Umfang jener Aufgabe entsprochen hätte, überlassen worden war. – Während dies vor sich ging, zogen die ersten Schiffe Spaniens aus, um jenseits des atlantischen Meeres eine neue Welt und eine neue Geschichte zu finden. Der Orient, durch die Türken für Europa verloren, schien durch Amerika für dasselbe ersetzt zu seyn. Zugleich fand Ostindien um das Kap der guten Hoffnung einen neuen Weg nach Europa. Da fiel der Schwerpunkt des Lebens und der Geschichte aus der Mitte Europa’s an die Grenzgebiete. England, Holland, Spanien, Portugal und sogar Frankreich wurden die Mittelpunkte des Verkehrs der Welt. Deutschland trat zum ersten Male in die zweite Linie, und es verschwand jede Hoffnung, dem Leben Mitteleuropa’s seine alte Bedeutung, seine alte Kraft zurückkehren zu sehen. – In demselben Grade aber, in welchem der Norden und Westen Deutschlands seine bestimmte staatliche Gestalt verliert, gewinnt die Bewegung, welche von der österreichischen Mark ausgeht, eine immer festere Ordnung, und dazu tritt ein großes, von den Wenigsten gehörig beachtetes Ereigniß, das derselben Epoche angehört: der Uebergang der ungarischen Krone an das Haus Habsburg. Ungarn ist die größte Ebene im Süden der Karpathen; in ihm laufen alle Linien, welche nach dem schwarzen Meere und in das Innere der Türkei gehen, zusammen. Mit der Herrschaft in Ungarn muß sich daher naturgemäß auch die Herrschaft über jene Gebiete einmal entscheiden. Durch die dynastische Verbindung Ungarns mit dem ersten deutschen Fürstenhause wurde das Schicksal desselben mit dem Oesterreichs und dadurch unzertrennlich mit dem Mitteleuropa’s verbunden und die erste Folge davon war, daß von da an die ganze große Aufgabe Mitteleuropa’s im Osten auf die Schultern des verhältnißmäßig kleinen Oesterreich gewälzt wurde; es mußte zunächst die Last des Kampfes um Ungarn und damit um die Zukunft Europa’s im Osten tragen. Das war der Preis, um den Oesterreich allein dauernd groß werden konnte. Es ward eine Großmacht durch die Größe der Aufgabe, die es übernahm, und erst in der Verbindung mit Ungarn beginnt seine Geschichte als eine solche.
Es führt uns nicht ab von unserem Ziel, wenn wir die Geschichte dieser Machtentwickelung in Bezug zum Orient rasch überblicken. Sie ist dreitheilig. Ein Blick auf die Vergangenheit erklärt uns die Gegenwart. Die erste Phase gehört dem siebenzehnten Jahrhundert an. Es ist die Zeit des Kampfes um Ungarn selbst. Die Türken überschreiten die Donau. Ungarn fällt. Die türkischen Heere folgen mit richtigem Instinkt dem großen Wege der Geschichte. Voll der ungarischen Ebene gelangen sie in die Marchebene. Sie stehen vor
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 289. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/297&oldid=- (Version vom 23.11.2025)