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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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charakterisirte Epochen. Das Zeitalter Katharina’s ist dasjenige, wo Rußland seine natürlichen Grenzen im Süden an den Küsten des schwarzen Meeres gewinnt. Nur die Wünsche, Hoffnungen und Principien greifen in die Zukunft der Türkei hinein. Das Zeitalter Alexanders ist dasjenige, wo Rußland sein Anrecht auf die Türkei zuerst durch seine Verhandlungen mit Napoleon, dann durch seine Kriege gegen ihn, zu einem stillschweigenden Princip des europäischen Völkerrechts zu machen sucht. Es ist die Zeit der Frage nach den „Schlüsseln des Hauses.“ Ein wesentlicher Schritt geschieht in dieser Epoche, dem Ziele entgegen, durch das Abreißen Bessarabiens von den Donaufürstenthümern und durch die Protektoratsbestrebungen über die letztern. Das Zeitalter des Kaisers Nikolaus ist endlich dasjenige, wo die langgehegten Pläne zur Verwirklichung gediehen. Der Krieg von 1828 sollte die Thatsache über allen Zweifel erheben, daß Rußland nur zu wollen brauche, um die Türkei zu gewinnen. Der Feldzug von 1854 sollte die Theilung vollziehen.
Dieser letzte Versuch Osteuropa’s, durch Vorschiebung seiner Macht im Süden Mitteleuropa’s sich die Heerstraße nach dem Westen zu sichern, sein Uebergewicht über die Mitte zu vollenden und – wenn erst die Türkei mit ihren mittelländischen Handels- und Kriegshäfen russisch – den Orient zu Land und Meer für immer vom übrigen Europa abzuschließen, dieser letzte Versuch einer Großmacht, den natürlichen Richtungen und Bestimmungen des europäischen Gesammtlebens Bahn und Ziel zugleich zu versperren, hat zum ersten Male der Welt die Stelle gezeigt, an welcher das europäische Staatsleben auf seinem Entwickelungsgang angelangt ist. Das ist die Stelle, von welcher an es künftig unmöglich ist, daß ein Staat Europa’s seine Sonderinteressen auf Kosten des europäischen Gemeinwohls verfolge. Ja so mächtig wirkt jetzt schon der Zug der wahren und ewigen Natur der Dinge, daß er selbst die Pläne und Operationen der Sonderinteressen in seinen Dienst zwang und zu seinem Ziele mit fortriß. Ein paar Worte machen das deutlich, ohne daß wir unseren Lesern die Kriegsgeschichte selbst zu erzählen brauchen. Diese ist ihnen ohnedies aus Hunderten von Zeitschriften, Broschüren und Bildern aller Art bis in’s Einzelste übergenug bekannt.
Nach einem alten Volksglauben, der von der griechischen Kirche still gepflegt und von den Griechen des Halbmonds als Hoffnungsstern verehrt wurde, war dem Osmanenreich in Europa von dem Schicksal eine vierhundertjährige Dauer bestimmt. Diese Frist nahte ihrem Ende. Mit dem Jahre 1853 hatte die Entweihung der Sancta Sophia von Byzanz volle vier Jahrhunderte gewährt. Der Türkenstaat war zum kranken Mann erklärt. Der Volksglaube gewann prophetische Kraft.
Da schlug die erste Stunde des verhängnißvollen Jahrs, Aller Augen blickten empor und sahen, von Staunen verwirrt, vom längst Erwarteten überrascht, die Sturmwolken des Volksglaubens am ganzen türkischen Himmel, die Griechen allenthalben harrend der Erlösung, Bosnien in Aufstand, Montenegro siegreich, ein österreichisches
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 291. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/299&oldid=- (Version vom 23.11.2025)