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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Heer schlagfertig an der Unna und in Konstantinopel zwischen dem Sultan und dem geheizten Dampfer, reisefertig, mit dem Ultimatum in fester Hand, den Grafen Leiningen, Oesterreichs außerordentlichen Botschafter.
Da neigte sich die Pforte; der Himmel ward heller. Diesen Sieg des entschlossenen Oesterreichs hatten zwei Augen in Petersburg gesehen und gewogen. Neben dem alten, nachgiebigen Oesterreich hätte das Schicksalsjahr zum Kinderspott werden können; von einem entschlossenen war zu fürchten, daß auch sein Blick entschlossener die Donau entlang dringen und für die Zukunft des eigenen Reichs natürlichere Grenzen suchen werde. Dieses Periculum in mora drängte zur Eile, das Ableben des kranken Mannes mußte beschleunigt, die Erbschaft in Sicherheit gebracht werden. Der Zaun war da, von dem die Gelegenheit zum Kriege gebrochen werden konnte. An diesem Zaun rüttelte Fürst Mentchikoff so lange, bis endlich der Sultan, mit dem Rücken an die westliche Nachbarwand gelehnt, am 28. September 1853 dem Czaaren den Krieg erklärte.
Und nun geschah, was geschehen mußte, wenn die „organische Gesammtstellung Europa’s“ nicht von Neuem der Zerrüttung der einzelnen und der edelsten Theile überliefert werden sollte. Weil Mitteleuropa, ein Konglomerat von fünfzig großen und kleinen Staaten, der Macht der Einheit ermangelte, um den Kampf gegen den Osten siegreich bestehen zu können, so mußte Westeuropa zum Schwert greifen, um, gestützt auf das neutrale, aber kriegsgerüstete Mitteleuropa, dem Kulturgang Europa’s seine Pforte nach dem Oriente offen zu erhalten. Damit folgte es dem natürlichen Zug der europäischen Bestimmung. Es ist aber Niemandem verborgen, daß England einzig und allein in seinem Vortheil handelte, daß es ihm vor Allem um die vollständige Vernichtung der russischen Seemacht im Süden Europa’s zu thun war, und zwar durchaus nicht zu dem Zwecke, um dem übrigen Europa die Handelswege in den Orient zu öffnen, sondern um seine Alleinherrschaft im Mittelmeer vor dem gefährlichsten Rivalen für alle Zukunft zu sichern. Eben so wenig ist Jemandem verborgen, daß Frankreich noch zwei andere Beweggründe zum Kriege hatte, als den im Riesenschritt der Welt vor Augen gehaltenen; daß in Frankreich abermals eine Zeit gekommen war, wo die oberste Gewalt dafür sorgen mußte, die Gedanken der Nation und die Waffen des Heers in ruhmlockender Weise auswärts zu beschäftigen; und daß Frankreichs Interesse in noch höherem Grade, als das Englands, eine möglichst wenig getheilte Herrschaft im Mittelmeer fordert. Die russische Marine war aber die einzige, welche für den Augenblick der französischen in diesen Gewässern ebenbürtig schien; sie mußte fallen sammt dem Bollwerk, das sie schützen und nach jeder Niederlage neu erzeugen konnte. Und Sardinien? Man wußte es, ehe es in den Turnier Blättern stand, daß die Piemontesen in der Krim ein Stück von Italien zu erobern gedachten. – So haben die Sonderinteressen mit aller Energie der Selbstsucht mitgearbeitet an der Befestigung der naturgemäßen Entwickelungswege des europäischen Staatslebens.
Die Türkei selbst, oder vielmehr der osmanische Herrschersitz in Europa, ist im ganzen Kriege in so fern Nebensache gewesen, als es von Seiten der Westmächte nicht vor Allem Erhaltung des europäisch-türkischen Reichs,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 292. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/300&oldid=- (Version vom 23.11.2025)