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sondern vor Allem Vernichtung der russischen Seekriegsmacht im schwarzen Meere galt. Nur deshalb ist nicht Kronstadt, sondern Sebastopol der Knotenpunkt des Kampfs geworden. Während der Norden Mitteleuropa’s durch ein Bündniß Schwedens mit den Weltmächten geschützt wurde, ist der Süden, die Türkei, durch die Entwaffnung Rußlands im schwarzen Meere ebenfalls sicher gestellt worden. Die Türkei im Besitz Rußlands, das war eine Gefahr, so groß als je eine Europa gedroht; die Türkei an sich hebt man, nachdem sie als Markt für Europa geöffnet ist, vor der Hand der Zukunft auf. In den Akten der Diplomatie ist dies zwar anders ausgedrückt, aber zwischen den Zeilen, wo Staatsmänner und Geschichtsforscher das Meiste lesen müssen, steht es genau so. – Auch in dieser Beziehung ist jedoch die naturgemäße Hauptaufgabe des Kampfs gelöst: das osmanische Reich ist aufgeschlossen für Europa; es ist, was es lange hieß, nun wirklich: eine Pforte, – die Pforte, durch welche Europa mit dem Füllhorn der Civilisation seinen Einzug halten soll in Asien, das durch dieselbe Pforte das Schwert der Eroberer nach Europa trug.

Der Krieg selbst bewies auf’s Klarste den Eintritt Europa’s in eine neue Epoche der Geschichte. Kein Blatt der Weltgeschichte nennt uns einen Kampf, der von mächtigeren Staaten und mit mächtigeren Mitteln geführt worden wäre: die Weltmacht England mit den stärksten Kontinentalmächten verbunden gegen die Weltmacht Rußland, die ihre Arme über drei Erdtheile ausbreitet. Hätte in früherer Zeit ein solcher Krieg nicht eine lange Reihe von Jahren gedauert und die meisten Staaten Europa’s mit in seinen Brand gerissen? Dieser Krieg, der an der Donau, im schwarzen Meer, in der Krim, in der Ostsee, in Asien und im stillen Ocean die Waffen Europa’s schwang, endete im zweiten Jahre – durch die Eroberung einer halben Festung, denn von der Nordseite Sebastopols ist seine Fahne nicht gewichen. Auch hier hat die Naturwissenschaft mitgefochten und die Kriegsgräuel abgekürzt; die ungeheueren Zerstörungsmittel der Neuzeit erschöpfen rascher Freund und Feind; denn auch die Sieger athmeten schwer unter der Last ihrer Rüstung. Endlich – das Hauptkennzeichen der neuen Epoche – arbeitete während des ganzen Kriegs unausgesetzt der Friede am Versöhnungswerk, und es ist nicht zu viel behauptet, daß wenige Schwerter des Kriegs je so schwer in die Wagschale fielen, als in diesem Krieg des gerüsteten Oesterreichs Friedensschwert. Mehr als Alles deutet dies auf die Nähe der Zeit, wo ein gewaffneter Fingerzeig der Mächte, die den Frieden wollen, so viel wirkt, als früher blutige Schlachten.

Werfen wir zum Schluß einen Blick auf die Staaten, die am 30. März 1856 den Friedenspakt zu Paris unterzeichnet haben. Preußen stand bei diesem europäischen Vorgange in dritter Linie (durch sein Bündniß mit dem in zweiter Linie des Kampfs stehenden Oesterreich), und es hatte seinem Lande und Deutschland durch beharrliche Neutralität den Frieden erhalten, mußte aber auch die Lehre hinnehmen, daß künftig eine Macht aufhört, Großmacht zu seyn, wenn die Gesammtbeziehungen der übrigen Staaten sich ohne ihren Willen regeln. Neutralität einer Großmacht wird bei jedem Konflikte in Europa eine Unmöglichkeit seyn. – Sardinien ist