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DCCCV. Neustadt an der Haardt.




„Fröhlich Pfalz, Gott erhalt’s!“ – Da liegt ein schönes Stück von ihr, mit seinen waldigen Höhen und seinem Rebengelände, seinen Thälern, die heiter sich zwischen den Hügeln voll Leben hinwinden, seinen Winzerhäusern, Burgen, Bergkapellen, und drunten im breiten Grunde die Stadt mit den hohen Doppelthürmen mitten in dem Kranze bescheidener Bürgerwohnungen.

Die Ruhe des Abends geht durch das Thal. Sie begegnet uns auf dem Wiesenpfad, wie auf der Heerstraße, die uns zum Thore führt. Nur so lange das Dampfroß die Flur durchschnaubt und der dicke Qualm seines Athems in rollenden schmutzigen Wolken über die Stadt hinzieht, ist der Friede dahin; aber bald wiehert der feurige Drache und bäumt sich im Joch, stoßweis steigt sein glühender Hauch empor und fort saust das Ungethüm. Und hinter ihm, aus den Guckfensterchen der Wagen grüßen freundliche Augen und winkende Hände, und da fliegen sie durch die prächtige Pfalz! Gott erhalt’s!

In eine solche Stadt eines solchen Landes hält der Wanderer seinen Einzug am schönsten unter den Klängen der Abendglocke. Da theilst Du die Straße mit Leuten, die von der Arbeit kommen, und müde und bestaubt, wie Du bist, fühlst Du Dich ihnen näher. Der Gruß ist viel herzlicher allerseits. In den Straßen ist keine andere Hast, als die der Kinder, die vor den Häusern spielen oder den heimkehrenden Vätern und Brüdern entgegen springen. Auf den Steinbänken neben den Hausthüren sitzen muntere Gruppen, die Alten ihr Pfeifchen im Munde und die Enkel auf dem Knie, die Frauen und Mädchen noch fleißig die Hände regend und alle die Zunge flink und froh, nach guter Weinlandart. Da wird die „Fremde“ Dir lieb, weil Du Dich wie „daheim“ fühlst, denn die Stadt ist noch nicht groß genug, als daß nicht Jedermann Deinen Gruß erwiderte und auf Deine Frage nicht noch vor der Antwort Dich ein freundlicher Blick erfreute. Das Herz ist noch was werth hier, man gibt’s nicht hin um den dürren Verstand. Und wie die Kinder gar bald wissen, wer sie lieb hat, so sieht’s das Volk dem Fremdling sogleich an, ob er in die Pfalz und in die Stadt ein rechtes Herz mitbringt, oder nur einen dürren Verstand.

Wer kann die Pfalz betreten, ohne daß ein Blick auf diesen Juwel des Rheinlands ihm das Herz erquickt, ein Blick in die Geschichte dieses Paradieses ihn das Herz erschüttert? Und Neustadt, das jetzt so friedlich vor uns liegt, wer zählt die Tage der Trübsal, die durch seine Gassen gegangen? – Sie haben etwas erfahren, unsere deutschen Städte! Es sind deren wenige, sey’s an den Meeren, an den Strömen, sey’s zwischen den Felsen unserer Gebirge, oder abseits im Flachland, deren Chroniken nicht überreich wären an Blättern voll Blutflecken und Brandgeruch.