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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Du mußt sie mit Ehrfurcht betrachten, auch wenn die Zeugnisse der Verarmung von allen Dachluken hingen, oder wenn sie mit Mühe den Schein von Wohlstand in ihren Hauptstraßen auslegten. Welche Stadt Deutschlands hat nicht hundertmal die Grundmauern ihrer Wohlfahrt aufgegraben! Wie viel Schweiß galt’s in Deutschland, immer und immer wieder neu aufzubauen, und mit welchen Ketten und Stricken an Hand und Fuß und welchen Hemmschuhen an jedem Karrenrad! Niemand, der ein rechtes Herz hat, schreitet durch ihre Thore, wo so viel schweres Schicksal ein- und ausgezogen, ohne Wehmuth, Niemand durch die Straßen ohne Achtung vor der unzerstörbaren Tüchtigkeit, die mit dem Trotz des Fleißes die Werkstätten nie als Ruinen stehen ließ, wie der faule Hochmuth die Schlösser der Berge. Zieh’ den Hut ab vor dem Bürger im Schurzfell, thu’s aus Achtung vor seinen Vorfahren, wenn auch ihr Name mit ihren Särgen vermodert ist!
Neustadt liegt in der Pfalz; jeder Deutsche weiß, welche Geschichte diesem Ländchen geschrieben werden mußte! Die Neustädter stehen in dieser Geschichte auf jeder Seite. Trotzdem hat die Stadt nach allen Stürmen immer zu neuer Blüthe sich aufgerafft. Die glückliche Natur des Bodens und der Bürger vollbrachten das; die Fruchtbarkeit des Landes und die Rührigkeit der Hände halfen zusammen. Getreide-, Wein- und Obstbau stehen obenan; der Handel hat Wein und Holz zu Hauptgegenständen. Außerdem beschäftigen Mühlen aller Art, ein Eisenhammer, Papier-, Tuch- und chemische Fabriken und auch die Pferdezucht viele der Einwohner, deren Gesammtzahl man jetzt zu ungefähr 6500 angibt. – Die Schloßruine, die von dem Berge im Hintergrunde unseres Bildes uns winkt, ihrer und ihrer vergangenen Tage und eines blutigen Pfingstfestes nicht ganz zu vergessen, darf uns heute zu keiner Wallfahrt der Erinnerung verlocken. Wir sehen sie nächstens in anderer Gestalt in diesen Blättern wieder und blicken von ihrer Höhe noch einmal auf dies schöne Stückchen Pfalz und dessen traurige Geschichte.
Abermals ein Bildchen des bilderreichen Hauptstromes der Osthälfte Nordamerika’s. So finden wir ihn hoch oben, jenseits der Staaten, im freien Gebiet von Minnesota. Im Morgentraume liegt der junge Riese zwischen seinen Urwäldern und die Rothhaut schaukelt im leichten Kahn über die einsame Fluth. Arme Rothhaut! Schon träumt der junge Riese von den Dampfschiffen und Menschenströmen, mit denen er spielen will, schon zieht das wühlende Eisen der Kultur immer näher und näher seine Furchen. Wie wird in fünfzig Jahren dies Bild verändert seyn? Was wird sich, statt der Bäume des Urwalds und der Indianer im Kahne, dann in den Fluthen spiegeln?
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 298. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/306&oldid=- (Version vom 23.11.2025)