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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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wenn wir seinen Ursprung aufsuchen, in die Alpen Armeniens und des Kaukasus. Noch immer liegen dem Menschenstamm, der dort seine Ur-Heimath hat, und der zum Gebieter über die Erde erkoren ist, die Mühen und Arbeiten des Herakles ob; noch immer ist er derjenige, welcher mit den Löwen und Leoparden, den Ebern und Minotauren zu kämpfen berufen ist; beständig treiben in ihm die Lebensgeister um und gürten ihn zum ewigen Streite; noch immer hat er die Mission der Drachentödter, der Lindwurmbändiger und des ersten Pflügers, welcher die Erde, wo sie noch wüst befunden, zur Aufnahme der Saaten bereitet. Unter dem ausgewählten Hirtenstamm, dessen Schafe am Ararat weideten, da war es ja auch, von wo die Erlösung der Menschheit aus den finstern oder unklaren Vorstellungen der Gottheit und Weltregierung hervorgegangen ist, da ward das Sittengesetz aufgerichtet, welches zum Stab der Menschheit wurde, von dort kommen jene Offenbarungen und Verheißungen, welche dem Tod den Stachel nehmen und diesen als eine Durchgangspforte aus einem niederen Naturleben in ein höheres, geistigeres erkennen lassen. Oder war es nicht so? Waren nicht jene Gegenden Abrahams Heimath, und stammte nicht aus seinem Geschlecht der liebevollste, weiseste, gottreichste aller Propheten, dessen Lehren hinfluthen über die ganze Erde, sie neu zu beleben, zu befruchten, zu erheitern, zu beglücken? Am Kaukasus ruht von der Zeiten Anbeginn ein Schatz, der sich nie erschöpft hat, so viel auch die Wanderungen der Völker von ihm genommen. Am Ararat ist die Stromkarte der Geschichte aufgehangen mit allen ihren Weiterungen und Wendungen, Stürzen und Wasserschnellen. Von dort her ist der Welt das Ferment gekommen, in welchem wir den Grund aller Bewegung in der Geisterwelt erkennen und die Mutter der Kraft, welche alle Mumiendecken des Irrthums nach und nach abstreifen wird, und welche alle Verwandlungen im unendlichen Entwickelungsprozeß der Menschheit beständig schafft und leitet. Von dort her empfingen wir auch die Leuchte einer höheren Geschichte, und darum kann kein heller Menschheitstag gedacht werden, ohne zugleich des Landes zu gedenken, wo der erste Lichtpunkt zum Morgenroth entstand, welches die Nacht verscheucht hat.
Das Land „Georgien ist die Perle der Erde“ nach Klaproth’s Ausdruck. Es füllt die Einsenkung zwischen dem Kaukasus und den armenischen Alpen aus. An Größe kommt es Bayern, Würtemberg und Baden zusammengenommen gleich. Es deckt die Vorstufen und Abhänge beider Gebirge und nimmt das zwischen diesen liegende herrliche Thal des Kur ein, welches zu allen Zeiten wegen der Fruchtbarkeit seines Bodens, seiner milden, gesunden Luft und der Schönheit seiner Menschen berühmt war. Oft zwar wurde es durch innere und äußere Kriege und die Raubzüge der Mongolen und Tartaren verheert; doch die Kultur faßte immer schnell wieder Boden. Gegenwärtig ist es das blühendste unter den pontischen Ländern und es begreift die Fürstenthümer Kachetien, Karthlien, Imeretien,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/42&oldid=- (Version vom 10.11.2025)